
Als ich mich im Juli 2024 mit Hanna entscheide, die von uns lang ersehnte Reise in die Ukraine durchzuziehen, hat das sehr persönliche Gründe. Seit fast 3 Jahren kennen wir uns und haben schon viel gemeinsam erlebt. Vor einem Jahr haben wir schließlich geheiratet – aber Hannas Heimatstadt Tschernihiw und ihre Familie besuchen konnten wir noch nie. Ihren Vater kenne ich nur von Videotelefonaten und aus Erzählungen, denn er kann das Land kriegsbedingt nicht verlassen. Nun ist es wirklich an der Zeit. Die im Moment deutlich ruhigere Lage im Norden der Ukraine lässt die Reise relativ gefahrlos zu und ich freue mich sehr darauf, endlich die Orte und Menschen kennenzulernen, mit denen Hanna zu dem wunderbaren Menschen wurde, der sie ist.
Wer in diesen Jahren „Ukraine“ hört, denkt unweigerlich an den Krieg. So geht es auch mir. Die schrecklichen Umstände, die Hannas Heimatland und viele Menschen, die ihr nahestehen, durchleben müssen, beschäftigen mich seit der Eskalation im Februar 2022 jeden Tag. Ich bringe ganz persönliche und prägende Eindrücke mit nach Hause: Solche, die mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit erfüllt haben, aber auch solche, in denen sich mir die Spuren der Gewalt gezeigt haben, die dieses gar nicht weit entfernte Land mit seinen Menschen erfährt. Es sind Momente, die mich still werden ließen, die mich tief berührt haben und die mir bleiben und mich begleiten werden.
Ich sitze mit meiner Frau Hanna in einer Marschrutka, einem „Taxi-Bus“ auf dem Weg von Kyjiv (früher: Kiew) nach Tschernihiw – der nördlichsten Großstadt der Ukraine (etwa so groß wie Linz). Nach fast 30 Stunden Anreisezeit aus Harmannstein inkl. einer mitternächtlichen Überquerung der ungarisch/ukrainischen Grenze mit dem Zug befinden wir uns endlich auf der „Zielgeraden“. Hanna ist diese Busstrecke 4 Jahre lang jede Woche gefahren, als sie in Kyjiv studiert hat, erklärt sie mir. Sie filmt mit dem Handy aus dem Fenster. Der Sonnenuntergang taucht das fast 2 Kilometer lange Sonnenblumenfeld neben der Straße in ein wunderschönes rot-goldenes Licht.
Trotz des dichten Verkehrs kommen wir gut voran. Nur die Panzersperren, die in großen Gruppen im Abstand von mehreren Kilometern neben der Straße liegen, erinnern daran, dass hier vor weniger als zwei Jahren russische Panzer in einem Überraschungsangriff die ukrainische Hauptstadt erreichen wollten. Einmal, kurz vor Tschernihiw, verlangsamt sich unsere Fahrt und wir bleiben am Straßenrand stehen. Das ist eine der Straßensperren, von denen Hannas Eltern berichtet haben – Kontrollpunkte, an denen überprüft wird, ob Männer vor dem Kriegsdienst zu flüchten versuchen. Ein Mann in Militäruniform steigt zu. Mehrere große im Gang stehende Koffer scheinen ihn davon zu überzeugen, dass es diesmal die Mühe nicht wert ist, die etwa 25 Reisenden zu überprüfen und wir dürfen weiterfahren.
Minuten später umkurvt die Straße den Hügel, auf dem die Катерининська (Katharinenkirche) wie ein Wächter alle Ankommenden begrüßt – und kurz darauf erreichen wir unsere Endstation. Beim Aussteigen erwarten und begrüßen uns Hannas Taufpate mit seiner Frau bereits überaus herzlich – und auch Sophia ist da, Hannas kleine Schwester. Seit unserer Hochzeit in Österreich vor einem Jahr haben wir sie nicht mehr gesehen. Umso herzlicher ist das Wiedersehen. Willkommen in der Ukraine.
Wir wuchten die Koffer in den Kofferraum des Autos. Auf der Rückbank sitzend, zwischen uns Sophia, sehen wir hinaus in die mittlerweile dunkel werdende Stadt, als wir die letzten Kilometer zum Haus von Hannas Eltern zurücklegen. Während der Fahrt erzählt Hannas Taufpate vieles auf Russisch, manches davon kann ich sogar verstehen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Art der Kommunikation mir meine insgesamt rd. 60 Stunden Russisch/Ukrainisch-Lernen mit Duolingo ermöglichen werden.
Hannas Eltern, Geschwister und ihre Tante begrüßen uns „Frischverheiratete“ vor ihrem Haus traditionell mit Brot und Salz, „Horilka“ (Ukrainischer Schnaps) und mit ganz viel Trara und guter Laune. Und nach fast drei Jahren, vor denen ich Hanna in Augsburg zum ersten Mal getroffen habe, und ein Jahr nach unserer Hochzeit kann ich endlich auch ihren Vater zum ersten Mal umarmen. Ich habe lange darauf gewartet. Es ist ein wunderschöner Moment.

Als Russland im Februar 2022 seinen brutalen Großangriff auf die Ukraine startete, war auch das in Grenznähe liegende Tschernihiw rasch von russischen Truppen eingeschlossen worden. Ein Monat lang hatte die Stadt unter ständigem Beschuss gestanden, denn die rapide Entwicklung der Umstände und der russische Vorstoß Richtung Kyjiv auf mehreren Achsen hatte es dem Ukrainischen Militär unglaublich schwer gemacht, eine gut organisierte und schlagkräftige Antwort zu finden. In diesen Tagen war ein wesentlicher Beitrag zur Verteidigung der Stadt in den Händen der Zivilbevölkerung gelegen, die Waffen ausfasste, um in den Wäldern und Dörfern rund um die Stadt Widerstand zu leisten. Mit der Herstellung der Kontrolle über die Fernstraße nach Kyjiv gelang es dem ukrainischen Militär etwa ein Monat später schließlich, die Belagerung der Stadt zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt war 70% der Infrastruktur Tschernihiws beschädigt. Strom, Heizung und Trinkwasser funktionierten nicht, die medizinische Versorgung war zusammengebrochen. Einmal, als das mobile Internet funktionierte, videotelefonierten wir mit Hannas Familie, die endlose Tage und Nächte gemeinsam im dunklen Keller verbrachte. Den schrecklichen Umständen zum Trotz hatte Hannas Vater Witze über die russischen Bomben gemacht und darüber, dass wir uns vor Putin nicht fürchten müssten – er würde ihn aufhalten.
Als die Flucht aus der Stadt schließlich möglich geworden war, waren Hannas Mutter und Geschwister sofort zu uns gereist. Fünf Monate hatten sie bei uns verbracht, um sich von dem Erlebten zu erholen und – vor allem – um sich an einem ruhigen und sicheren Ort zu befinden. Dennoch war das „Abschalten“ schwierig gewesen und die Trennung der Familie – Hannas Vater durfte als Mann das Land nicht verlassen – war keine dauerhafte und sinnvolle Lösung gewesen.

Während unserem Besuch in Tschernihiw treffen wir uns mit Dasha, Hannas bester Freundin seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit. Bei einem Spaziergang durch den Stadtteil, in dem sie gemeinsam aufgewachsen sind, gibt es eine Menge zu erzählen und wir lachen viel – auch, als wir das Grundstück besuchen, auf dem früher die Schule stand, in der die beiden Freundinnen einander kennenlernt haben. Mir ist bereits aufgefallen, dass Humor ein wichtiges Mittel der Menschen hier ist, um mit der Realität des Krieges umzugehen. Dasha erzählt, sie hätten sich als Kinder manchmal gewünscht, die Schule würde in Flammen aufgehen. Dass das Gebäude als Ziel eines russischen Angriffs Jahre danach dem Erdboden gleichgemacht werden würde, weil die lokale Bevölkerung dort Essen und wichtige Gebrauchsgegenstände für die Verteidiger der Stadt gesammelt hat, war damals jenseits jeder Vorstellbarkeit gewesen.
Dasha fragt mich (wie auch viele andere Menschen während unserer Reise), wie es mir mit den Luftalarmen geht. Bis zu sieben Mal pro Tag ertönen die Sirenen und ich werde von der offiziellen Handy-App gewarnt, oft auch mitten in der Nacht. Echte Sorgen mache ich mir deswegen keine. „Wenn hier so viele Menschen mehr als zwei Jahre damit leben können, kann auch ich das für zwei Wochen“, sage ich. Ich weiß auch, dass die Stadt zum Zeitpunkt unserer Reise nur sehr selten zum direkten Ziel der russischen Raketen und Drohnen wird. So gut wie alle sind im Moment „nur“ auf der Durchreise Richtung Kyjiv oder weiter ins Landesinnere.
Anm.: Mit Stand vom 22.08.2024 hat die russische Armee 9.627 Raketen auf die Ukraine abgefeuert, von denen 2.429 abgeschossen wurden, berichtet der ukrainische Generalstab. Von den 13.997 Drohnen, so General Syrskyj, wurden 9.272 abgeschossen.

Bei unseren Spaziergängen im schmucken Zentrum der geschichtsträchtigen Stadt (die zum ersten Mal im Jahr 907 urkundlich erwähnt wurde), sind die Spuren der Angriffe an vielen Stellen sichtbar. Geld und Arbeitskräfte werden im Moment an vielen Orten dringender benötigt, als z.B. dafür, die Ruine eines ehemaligen Hotels im Zentrum abzureißen. Zwischen seinen halb eingestürzten Wänden und den Resten der Zwischendecken sprießt Grünzeug. Immer wieder laufen wir an Häusern vorbei, deren kaputte Glasfenster mit Pressspanplatten ersetzt wurden. Als wir das Gebäude der Post passieren, sehen wir sofort, dass der Eingangsbereich einen direkten Granatentreffer abbekommen hat. Die Einschlagstellen der Splitter sind über das gesamte Entree verteilt. Es ist schwer zu beschreiben, was in mir vorgeht. Ich verfolge die Spuren auf der Fassade und mir ist, als könnte ich die Gewalt selbst fast körperlich spüren. Innerlich hoffe ich, dass niemand hier an meiner Stelle stand, als das passiert ist. Bei 700 toten zivilen Stadtbewohnern in den letzten zweieinhalb Jahren ist das aber nicht auszuschließen.

Am Abend von Onkels Geburtstag gibt es Fischsuppe, die er mit Freude selbst gekocht hat. Auch er ist mit seinen knapp 60 Jahren ein lebensfroher Mann mit blitzenden Augen und einem kräftigen gutmütigen Wesen. Der Tisch biegt sich unter Zuspeisen und den Tomaten, Gurken und Zwiebeln aus dem eigenen Garten. Dementsprechend gut ist die Stimmung und auch der Horilka trägt dazu bei, Stimmung und Lautstärke weiter zu heben, bis sich zu späterer Stunde das Gespräch natürlich trotzdem dem immer präsenten Thema „Krieg“ zuwendet.
Mir wird noch bewusster, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass alle Anwesenden am Tisch wohlauf und gesund sind und wir gemeinsam feiern dürfen. Hannas Vater zeigt uns auf seinem Handy ein Bild von einem Freund im Spital – er hat an der Front bei Kupjansk einen Arm verloren. Wir hören uns Onkels Berichte darüber an, wie er mit dem Fahrrad vom Theater wegfuhr, in welches nur eine Minute später eine Bombe einschlug. Über eine Verwandte, welche die Last zu tragen hat, Entscheidungen über die Tauglichkeit von Männern zur Einberufung an die Front treffen zu müssen. Dass drei Viertel der Männer große Angst davor haben, und sie ihnen dennoch mitteilen muss, dass sie einrücken müssen. Dass Hannas Cousin letztens in der Nacht wieder russische Drohnen gehört hat. Aber dann ist es auch wieder genug davon und alltägliche und familiäre Themen wollen gemeinsam besprochen werden.

Als ich um 4.45 in der Früh zum Handy greife, kann ich durch das geöffnete Fenster die Krone des Apfelbaums im Nachbargarten und einen kleinen Teil des Himmels erahnen. Ein lauter werdendes, gleichmäßiges Motorengeräusch hat mich geweckt. Ich bin kein Experte für Militärtechnik, aber mir ist augenblicklich klar, dass ich eine Kampfdrohne über der Stadt höre. Ich stehe leise auf, um Hanna nicht zu wecken, die langsam und gleichmäßig atmet. Der Motorenlärm wird leiser, bleibt aber hörbar, wird nach einer Minute wieder deutlich lauter. Mehrere Minuten lang stehe ich am Fenster, während die Drohne irgendwo über Tschernihiw (oder in den nahen Stadteilen?) große Kreise (?) zieht. Warum sie das tut, ist mir ein Rätsel – doch meine Vermutung bestätigt sich durch das plötzliche Knattern von Maschinengewehren in einiger Entfernung (nur nach dem Geräusch schwer zu schätzen, vielleicht 1–2 km?). Das ist definitiv die Luftabwehr. Dann setzt das Motorengeräusch der Drohne plötzlich aus und vor meinem inneren Auge sehe ich sie schon irgendwo ins Wohngebiet stürzen, wie in den Videoclips, die man kennt, wenn man sich laufend über den Krieg informiert. Doch Sekunden später startet der Motor wieder und das Geräusch wird langsam wieder leiser. Dreimal wiederholt sich das. In der Zwischenzeit ist Hanna wach geworden und hört ebenfalls zu. Plötzlich habe ich das Gefühl, zu verstehen, was das mit den Menschen in diesem Land machen muss, die die Geräusche von Drohnen (oder Explosionen!) in manchen Städten jede Nacht (!) zu hören bekommen. Es ist wirklich sehr gruselig: Da fliegt ein 50 kg Sprengsatz irgendwo im Nachthimmel herum und du kannst nichts anderes tun, als zu warten und zu hoffen, dass nichts passiert.
Da das Geräusch immer leiser wird, hat die Drohne offensichtlich eine andere Richtung eingeschlagen. „Unsere“ Luftabwehr stellt das Maschinengewehrfeuer ein, aber in der Ferne hört man sie noch länger schießen.
Am Morgen lese ich, dass in der Nacht alle „Shahed“-Kampfdrohnen über der Ukraine abgeschossen wurden und keine Schäden entstanden wären – und ich hoffe inständig, dass dem tatsächlich so ist.

Mit Hannas Vater und ihren Geschwistern machen wir eine Fahrradtour in den Wald im Westen Tschernihiws. Das freut mich sehr. Hanna hat hier früher viele Tage mit Freunden verbracht und ich kenne viele ihrer Geschichten, die hier ihren Ursprung haben. Am Stadtrand sieht man einige zerstörte Häuser, Panzersperren liegen zwischen den Straßen. Wir rollen einen Hügel hinunter in den Wald. „Hier waren schon die Russen“, erklärt uns Hannas Vater, der im Wald jeden Winkel und Schleichweg kennt. Der Wald ist sehr hell und luftig im Vergleich zu den Wäldern bei uns. Zwischen den Bäumen wächst Gras und man kann sehr weit sehen. Zwei Stunden lang sind wir auf unseren Rädern und zu Fuß zwischen Kiefern, Eichen und Birken auf Waldwegen unterwegs. Wir besuchen alle Lieblingsplätze, den kleinen Fluss und einen flachen, von Sträuchern gesäumten Teich mit kaltem Wasser. „Hier haben wir uns früher immer getroffen, gemeinsam Sport gemacht und trainiert und uns dann abgekühlt“, sagt Hannas Vater. Einmal hatte er mit einem Freund bei -18°C im Winter ein Loch ins Eis gehackt, um ins Wasser zu springen – das ist persönlicher Rekord.
Ein befestigter Schützengraben mitten im Wald fällt mir ins Auge, vereinzelt sieht man schwarze abgebrannte Stämme, die auf halber Höhe enden. Hinter einer Mauer und einem verschlossenen Tor sehe ich die Ruinen von einigen Gebäuden, deren Zweck mir nicht klar ist – davor ein Pfahl, behangen mit Blumenkränzen und einem mit Namen bestickten Zierband.
Eine lange Mauer schützt auch das nahe Wasserwerk der Stadt vor unbefugtem Zutritt. Dort hat Hannas Vater 25 Jahre lang gearbeitet. Die Bleche am vergitterten Tor haben Löcher, wo Granatsplitter durch das Metall gedrungen sind. „Zwei Freunde der Familie sind dort drinnen durch den russischen Beschuss gestorben“, geht es mir durch den Kopf. Ich weiß, dass es so ist. Und obwohl ich direkt hier vor Ort bin, fühlen sich diese Gedanken an wie eine Geschichte aus einem fernen Land – so wenig passt der luftig friedliche Eindruck des Waldes zu diesen Gedanken. Ich bin froh, dass diese schöne und ruhige Atmosphäre alles andere überwiegt, als wir fröhlich heimradeln – einen Waldweg entlang, an dessen Rändern viele Bäume bereits verwachsene Abschürfungen von schwerem Gerät zeigen, das ebenfalls hier entlang bewegt wurde.

Wahrscheinlich bin ich jetzt in dem Alter, in dem man nicht nur ahnen, sondern auch verstehen kann, dass 1945 noch gar nicht so lange her ist, wie ich während des Geschichtsunterrichts als Jugendlicher dachte. Als Kind in friedlichen Zeiten und in einem liebevollen Umfeld aufwachsen und als junger Erwachsener unter solchen Voraussetzungen leben zu können, ist nicht so "normal", wie es sich oft für mich angefühlt hat. Als Hanna und ich gemeinsam mit ihrer Mutter im Fotoarchiv der Familie stöbern, wird mir mehr als deutlich, wie viele Menschen den Krieg als Teil ihres Lebens akzeptieren mussten. Ein Vorfahr war in Georgien stationiert. Einer hat in der roten Armee gekämpft. Einer war Pilot, wurde im 2. Weltkrieg abgeschossen und überlebte, weil er rechtzeitig aus dem Flugzeug springen konnte. Auf manchen Bildern sieht man ihn in Uniform, mit vielen Auszeichnungen für seine Dienste im Kampf.
„Was werde ich noch erleben?“, frage ich mich. „In welcher Welt werde ich in 20, 30, 50 Jahren leben? In welcher der ukrainische Teil meiner Familie? Und in welcher „Normalität“ werden Hannas und meine Kinder aufwachsen?“
In einer friedlichen! Das hoffe ich nach meiner erlebnisreichen, herz- und augenöffnenden Reise in die Ukraine ganz besonders.
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Hannas Freundin Olena ist Krankenschwester und wird in Kürze in die Frontgebiete rotiert, muss also dort für einige Zeit verpflichtend als Sanitäterin helfen. Deshalb möchte ich einen Spendenaufruf der Ärzte ohne Grenzen teilen, welche die Versorgung der Menschen in den schwer vom Krieg betroffenen Regionen unterstützen:
https://www.aerzte-ohne-grenzen.at/ukraine
Danke für deine Unterstützung!

Lieber Ernest, lieber Zedi!
Vor ziemlich genau dreißig Jahren hast Du uns im PAN-Projekt zum ersten Mal besucht und uns Deine packenden Nachtwächter-Geschichten erzählt.
Wir danken dir ganz persönlich für Deine Unvoreingenommenheit uns gegenüber, Deinen Humor und Deine wohlwollende Menschlichkeit.
Für Deinen weiteren Weg in der jenseitigen Welt wünschen wir Dir das Allerbeste.
Deine PANs

Vom Anfang eines Gedankens...
Ich erinnere mich zurück. Wie war das eigentlich ganz am Anfang?
Im April 2019 saßen wir bei der Saatgutinventur zusammen und blickten auf das kommende herausfordernde Gartenjahr. Wir waren uns einig, dass wir als Gartenteam Unterstützung brauchten. Also stürzten wir uns ganz spontan in das Abenteuer, Menschen zu finden, die gerne Zeit in der Natur verbringen, einfache Arbeit schätzen und an nützlichem und sinnstiftendem Tun im Team Freude haben: Beim Jungpflanzenziehen, Pflegen, Ernten, im Stall oder beim gemeinsamen Kochen und Verarbeiten der Lebensmittel.
Die Idee war ganz praktisch. Wir brauchten Unterstützung am Hof, während andere Menschen neue Erfahrungen suchten. Ein einfaches Geben und Nehmen. Täglich ein paar Stunden Mithilfe im Tausch gegen Unterkunft, gutes und gesundes Essen und Anteilnahme am vielfältigen und gemeinsamen Leben im PAN-Projekt. "Workaway" heißt die Plattform, die Gastgeber und Gäste dieser Art zusammenbringt und die in den vergangenen Jahren Menschen aus vielen nahen und fernen Teilen der Welt zu uns geführt hat.

... zu einem Weg der Begegnungen
Doch aus diesem praktischen Austausch wurde mehr... Denn all die „helfenden Hände“ waren Menschen mit so vielen Geschichten, Perspektiven, Fragen und Ideen. Und stets ging es um weit mehr als „nur“ um die Gartenarbeit. Stattdessen entstanden viele echte und wertvolle menschliche Begegnungen und ein Austausch, der mir wirklich Freude machte. Denn all diese Menschen funktionierten nicht einfach nur in ihrer helfenden Rolle, sondern begannen sich stets mit jedem Gespräch, jeder gemeinsamen Arbeitsstunde, jedem Lachen oder jeder Diskussion mehr zu öffnen und zu zeigen. Es ging plötzlich um das Gefühl, gesehen zu werden, und gleichzeitig den anderen so kennenzulernen wie er ist – ihn wahrzunehmen mit seinen Prioritäten, Gedanken, Talenten und auch seinen „Packerln“, die er in seinem Leben zu tragen hat.
Warum mir das Workaway-Projekt soviel bedeutet?
Wenn ich abends im Bett liege und darüber nachdenke, was gerade jeden Tag in der Welt passiert – wie viel Trennung, Unsicherheit, Schnelllebigkeit, oft auch Oberflächlichkeit sich zwischen uns Menschen drängt – dann habe ich das dringende Bedürfnis, etwas daran zu ändern. Mitzugestalten an einem Ort, der ein Gegenpol zu all dem sein soll.
Darin, die Natur besser zu verstehen und gemeinsam wahrzunehmen, sehe ich eine große Chance, dass dieses Vorhaben auf eine ganz natürliche und einfache Art einen Weg bekommt – wie von selbst. Denn die Natur bietet uns die Möglichkeit, anzukommen und einmal so richtig tief durchzuatmen. Nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Sie umgibt uns mit tausenden Möglichkeiten, Gemeinschaftlichkeit ein bisschen besser zu erleben und zu verstehen, denn nichts in der Natur steht nur für sich allein. Alles braucht einander, um sich zu entwickeln!

... es sind die kleinen Dinge!
Natürlich ändert sich durch dieses Projekt auch für mich persönlich so einiges. Ich lerne unglaublich viel über mich selbst, über Menschen, Vertrauen und Loslassen. Und darüber, dass Wachstum eben nicht nur im Garten passiert, denn jede Begegnung hinterlässt ihre Spuren.
Manchmal sind es kleine Dinge. Eine neue Sichtweise oder ein Gedanke, der bleibt und das eigene Leben bereichert. Manchmal entstehen Freundschaften, die uns weit über den Aufenthalt hinaus begleiten und stärken.
Und manchmal bleibt einfach das Gefühl, Teil von etwas Größerem gewesen zu sein. Damit meine ich nicht nur den Garten oder das Projekt selbst, sondern das, was zwischen Menschen entsteht. Gemeinschaft. Zugehörigkeit. Verbundenheit.
Viele Menschen verlassen unser PAN-Projekt mit dem Gefühl, ein kleines Stück Zuhause gefunden zu haben und genau das berührt mich jedes Mal aufs Neue.

Ein Blick zurück zum Start...
War das von Anfang an meine Vision? Nein!
Und genau das macht es heute so besonders für mich, denn nichts davon war so geplant.
Was als einfache Unterstützung im Garten begann, ist zu einer großen Sammlung wirklich schöner Augenblicke herangewachsen. Fremde aus unterschiedlichsten Ländern und Lebensrealitäten kommen zusammen, teilen Erfahrungen, lernen voneinander und wachsen miteinander... werden zu Freunden.
Ich bin von Herzen dankbar, Teil davon zu sein. Nicht, weil ich glaube, damit die große Welt zu retten, sondern weil ich überzeugt davon bin, dass genau solche kleinen Räume große Chancen schaffen. Wo Menschen sich gesehen, verbunden und zuhause fühlen, ist es leichter, mit Liebe zu leben und dieses Gefühl weit hinaus in die Welt zu tragen.
Darum lasst es uns immer in Erinnerung behalten – manchmal beginnt Veränderung nicht mit großen Ideen, sondern mit einer offenen Tür, einem Stück Land und der Bereitschaft, Menschen willkommen zu heißen.
Reisemodus unserer Gäste: Manche kommen gezielt zu uns als einziges Reiseziel ihres Workaway-Trips, für manche sind wir eine Station einer längeren Workaway-Reise von Host zu Host (viele junge Menschen nutzen z.B. ihr "Gap-Year" vor dem Studium, um die Welt per Workaway zu bereisen und neue Orte kennenzulernen)
Aufenthaltsdauer: meist 3 – 6 Wochen
Aus diesen Ländern hatten wir bereits Besuch: Norwegen, Ungarn, Polen, Deutschland, Luxemburg, Niederlande, Frankreich, Schweiz, Österreich, Tschechien, Ukraine, USA, Kanada, Argentinien, Australien, Neuseeland, Taiwan... (und heuer kommen wieder weitere dazu)
Umgang mit englischsprachigen Gästen: Je nach persönlichen Fähigkeiten und Interessen genießen wir den Austausch auf Englisch, nutzen die Gelegenheit zum Üben oder freuen uns auf die nächsten deutschsprachigen Gäste :)

von Michael-Johannes Hahn, frisch gebackener Papa im PAN-Projekt
Jaron – der, der singt und jubelt.
So schön, dass du da bist!
Ein bisschen mehr als fünf Wochen ist es jetzt her, dass mein kleiner Sohn Jaron Nathan bei uns zu Hause das Licht der Welt erblickt hat. Ein unvergessliches Erlebnis für Hanna und mich, Eltern zu werden. Und neben der großen Freude, unser Kind kennenzulernen, auch wirklich unvergesslich im Sinne des "Mich-selbst-Kennenlernens".
Wenn man solche großen Lebensmomente erlebt, über die man bisher nur Erzählungen gehört hat, fühlt sich das anders an, als man es sich bis dahin vorgestellt hat. Deshalb kann einen nichts wirklich auf solche Momente vorbereiten. Das dachte ich mir zumindest.
Dann habe ich erlebt, wie all meine innere Sicherheit und mein Selbstvertrauen, das ich mir im Laufe der Zeit mit meinen Freunden erworben habe, ihre Wirkung entfaltet haben.
Die Tage vor der Geburt habe ich mit großem Vertrauen zu Hanna und einer tiefen inneren Ruhe erlebt. Was mich dann überrascht hat war aber, wie natürlich (im Sinne von „selbstverständlich“) sich die Geburt für mich angefühlt hat. Irgendwie hatte ich erwartet, mehr „überfordert“ zu sein. Aber als es darauf ankam, musste ich nicht nachdenken, sondern spürte sehr deutlich, was ich tun konnte, um Hanna bei der Geburt zu unterstützen. Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, zu der ich präsenter im Hier und Jetzt war als an diesem Nachmittag – und gleichzeitig so ruhig trotz der Intensität des Geschehens. Es ist schwer, das zu beschreiben, aber so deutlich habe ich diese innere Führung in mir noch nie wahrgenommen.
Wie alle Noch-nicht-Eltern habe ich lange Zeit viele Eltern und Großeltern davon reden gehört, welches Wunder geschieht, wenn so ein kleiner Mensch geboren wird. Jetzt erst spüre ich, was sie damit gemeint haben und es macht mir eine Riesenfreude: Hanna und Jaron – ihr seid wirklich mein Wunder-Team.
Was ich mir für mich selbst mitnehme?
Erst die Überraschungen und Herausforderungen im Leben bringen uns dazu, zu den Menschen zu werden, die wir wirklich sein können.
Welche Herausforderungen jetzt vor uns als junge Familie liegen?
Das weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass es nicht zu wenige sein werden. Viele Gelegenheiten, um weiter gemeinsam daran zu wachsen. Das wird ein Abenteuer für uns und unseren Jaron!
DANKE an unsere Freundin und Hebamme Ulli, die nach Gabis und Michaels Kindern nun auch Jaron bei uns zu Hause aufgefangen hat! Und DANKE an alle großen und kleinen PANs, die Jaron so liebevoll aufnehmen und uns so sehr unterstützen!
Fotos: Martin Becherer

Birkenreisig, Draht, Spagat -
und fertig ist der Astsalat.
Martha versteht es, aus Naturmaterialen stets besondere Dekorationselemente zu gestalten.
Gerade kürzen die Bauern ihre Feld- und Wiesenraine ein, darunter auch Birkengehölze. Deren Reisig ist extrem biegsam und mit den flauschigen Kätzchen-Blütenständen schön anzusehen.
Das ist genau der richtige Naturwerkstoff für unsere Martha! Mit viel Geschick formt sie interessante Figuren und kleine Kunstwerke aus dem Astsalat, die sie mit Draht und/oder Schnur sowie stärkeren Ästen in ihrer Form hält.
Martha hat ein besonderes Herz für unsere heimischen Vögel, die sie während unserer langen Waldviertler Winter liebevoll und verlässlich in unserem weitläufigen Hausgarten füttert.
Kein Wunder also, dass jetzt im Frühjahr in unserem Außenraum die kreativen Ast-Vögel eingeflogen sind.
Danke, Martha, für deine Gestaltungsideen rund um unser Haus und für deine geschickten Hände!
Lasst euch davon inspirieren und versucht euch selbst am "Astsalat"!
Fotos: Martin Becherer 03/2026

Am Sonntag, den 11. Jänner, hat Doris ihr Morgengebet unter anderem dazu genutzt, eine gemeinschaftliche Großbaustelle der besonderen Art ins Leben zu rufen. Angesichts des üppig vorhandenen kalt-weißen Baumaterials lud sie uns alle am Nachmittag in den Hof zur großen Schneeburg-Werkstatt für die Kinder ein. Gesagt, getan!
Perfekt ausgerüstet mit Tatendrang und Schaufeln schauten wir erst einmal zu, wie unser guter Merlo mit seiner "Riesenschaufel" die vorbereitenden Grobarbeiten vornahm und unter Bernhards kundiger Führung Schnee über Schnee zusammenschob, auftürmte und festklopfte. Die Baubedingungen waren deshalb nicht optimal, weil der Schnee wegen der extremen Kälte nicht "pickte", sondern pulvrig herumstaubte und sich nur schwer verdichten ließ.
Als der Riesenhaufen trotzdem geschafft war, kamen die "Facharbeiter" zum Einsatz - allen voran unsere wieder kindgewordenen Männer. Michael-Johannes konzentrierte sich auf den Stiegenbau, Bernhard und Christoph übernahmen die Rutsche, Martin und Markus den Verbindungstunnel im unteren Bereich der Schneeburg. Doris kümmerte sich um einen Aufstieg mit Seilzug. Und das alles geschah, während unsere Jüngsten dazwischen herumwuselten und viele von uns als Zuschauer Anteil nahmen.
Endlich war es soweit und nach Christophs "Probefahrt" konnten Tamara (3) und Annalena (4) ihre Rutsche mit einem schneegefüllten Sack hinuntersausen. Huii, das war ein Spaß! Genau wie die gesamte Aktion an sich!
Unsere beachtliche Schneeburg hielt auch in den kommenden Tauwetter-Tagen noch lange stand und blieb für die Kinder bespielbar - ganz genau wie wir uns das für sie gewünscht hatten.
Fotos: Martin Becherer

Frisch angekommen im neuen Jahr machen wir für unsere Leser und Freunde mit Interesse an unserem Leben einen kurzen Rückblick auf unsere Winter- und Weihnachtszeit.
Fein, dass der Wetterumschwung vor Weihnachten das Waldviertel in ein Winter-Wonderland verwandelt hat. So „eingschneipt“ fühlt es sich doch ein bisschen an, als wäre man von der Außenwelt abgeschnitten. Das ermuntert dazu, die wohlige Gemütlichkeit im eigenen Zuhause zu suchen mit den lieben Menschen, die dort gemeinsam wohnen.
Das Vorbereiten auf Weihnachten ist natürlich Einstellungssache.
Bei uns helfen jedenfalls traditionelle Aktivitäten im Advent mit, uns auf das Fest am 24. einzustimmen. „Weihnachtsfan“ Johanna hat mit einem Gemeinschaftsadventkalender überrascht, der außer einer süßen Überraschung auch kleine Aufgaben verborgen hielt. Jeder von uns bekam an seinem Tag des Türchenöffnens einen solchen Auftrag mit auf den Weg.

Wenn wir bereits von Süßem sprechen: Wer Weihnachtskekse für 25 Menschen backen will, muss einige fleißige Händepaare zusammentrommeln. Da auch das Nebenbei-Naschen erlaubt ist, war das glücklicherweise nicht schwer.
Am Samstag vor Weihnachten entstanden hunderte zart-mürbe Vanillekipferl, fluffige Polo Nero und viele andere Kekssorten, damit jede und jeder am Keksteller sein Lieblingsgebäck wiederfindet.


Tags drauf war schon der 21. Dezember: ein Wendepunkt in der Natur, den wir dank unseres guten Freundes Georg sehr bewusst wahrnehmen.
Treffpunkt: Lagerfeuer! Mit Decken und Sitzpolstern ausgestattet trotzten wir dem ungastlich-nasskalten Wetter und lauschten neben den brennenden Scheiten Georgs Gedanken zum Jahreskreis der Natur. Dann gab’s deftiges Aligot (einfache Hirtenmahlzeit aus Frankreich: Kartoffelpüree mit Kürbis und Käse), Störibrot und Punsch.


Unser Weihnachtstag war gemütlich und setzte sich aus den unterschiedlichsten Beiträgen verschiedener Gemeinschaftsmenschen zusammen. Ein besonderes Highlight war das Krippenspiel, welches Barbara, Ingrid und Gabi mit unseren Kleinsten einstudiert hatten. Der eine oder andere Sprechtext wurde zwar spontan improvisiert, aber gerade das machte den Charme aus. Und beim Abschlusslied tanzte bald das gesamte Publikum die Choreographie mit.

Echte Freude und Dankbarkeit waren für uns die Begriffe, die in diesen Weihnachtstagen im Vordergrund standen. Die freien Tage boten auch Raum, um Freunde und Bekannte einzuladen und sich in gemütlicher Runde auszutauschen. Der Jahreswechsel wurde mit einem lockeren Spieleabend begangen oder bei Freunden verbracht. Jene, die bis Mitternacht ausharrten, begrüßten das neue Jahr mit einem Schluck Sekt und Nachbars Feuerwerk.
So sagen wir PANs zu 2026: „Auf ein Neues! Lasst uns für unsere Erfahrungen dankbar sein und mutig auf neue Herausforderungen zugehen! Auf dass wir über unsere bisherigen Vorstellungen hinauswachsen!"
Unser Weihnachtsgruß an alle, die uns kennen, sind heuer einige LEBENSmomente aus unserem Haus und kleine Augenblicke unserer Gemeinsamkeit. Möge euch unser Video ein wenig Freude schenken und erinnern an das Geschenk, das wir teilen: unser Leben als Menschen im Hier und Jetzt.
Danke, dass wir ein Stück des Weges miteinander gehen.
Gesegnete Weihnachten!
Eure PANs

Die Küche ist ja irgendwie auch ein Experimentierlabor.
Mein erstes Kimchi vor dreieinhalb Jahren, welches zwei Wochen in einer unspektakulären, durchsichtigen Plastikbox reifte, war eher so „meeh“. „Das war wohl nix!“, so meine Schlussfolgerung. Darauf folgte eine Zeit der Funkstille zwischen mir und der Fermentation. Die Kohlrabiflut im Herbst letzten Jahres hat mich auf der Suche nach neuen Verarbeitungsmöglichkeiten dann jedoch wieder zum Thema zurückgeführt. Diesmal mit (Gott sei Dank!) mehr Erfolg. Das beinahe ewig haltbare Kohlrabi-Kimchi lächelt mich heute noch aus dem Eck des Kühlers an und macht sich mit seinem säuerlich-frischen Geschmack besonders gut im Linsensalat.


Abgesehen von dem spannenden Prozess des Selbermachens hat das Arbeiten mit Fermentationsprozessen bei Lebensmitteln auch andere Vorzüge. Fermentiertes Gemüse (z. B. Kimchi oder Sauerkraut) ist durch die entstehende Mikrobiologie sehr lange haltbar, ohne dass man die weithin gängigen Zusätze Essig und Zucker hinzufügen muss. Nur Salz ist als Stabilisator wichtig. Im Gegensatz zu vielen Einmachprodukten, die durch Sterilisieren haltbargemacht werden, erhält man beim Fermentationsprozess die lebendige Mikrobiologie.
Fermentierte Lebensmittel enthalten also lebende Mikroorganismen (Probiotika), deren Verzehr helfen kann, die Vielfalt in der Darmflora zu erhöhen und somit die Verdauung zu verbessern.
Besonders bei fermentiertem Gemüse oder zum Beispiel Sauerteigbrot wird das Lebensmittel durch den Fermentationsprozess außerdem für die Verdauung „vorverarbeitet“ und Nährstoffe werden besser verfügbar.
Gerade in Zeiten wie diesen, wo den ganzen Herbst lang diverse Krankheitserreger zirkulieren, fragt man sich, wie man den eigenen Körper am besten stärken kann. Ein gesundes Mikrobiom im Körper aufzubauen, kann dabei sehr hilfreich sein. 70–80 % unserer Immunzellen "wohnen" ja bekanntlich im Darm. Eine gesunde Bakterienvielfalt unterstützt somit eine schnelle Abwehrreaktion des Immunsystems. Nicht schlecht,wofür das alles nütze ist!

Jetzt kommt allerdings ein (nicht unbedeutender!) Warnhinweis: Wenn man den säuerlich-prickelnden Geschmack von Fermentiertem einmal liebgewonnen hat, kommt man nicht mehr so schnell davon los. Einem unerwarteten Geschenk eines Bekannten folgend besitze ich seit April dieses Jahres Wasserkefirknollen, mit denen ich, um die steigende Nachfrage abzudecken, inzwischen alle zwei Tage 3 l des erfrischenden probiotischen Getränks produziere. Vor zwei Monaten ist dann auch ein Kombuchapilz eingezogen, denn: Der eigene Kombucha ist halt wirklich richtig lecker!
Die schöne Reise mit lebendigen Kulturen hat natürlich auch ihre anspruchsvolle Seite. Alle zwei Tage will der Kefir neu angesetzt werden, der Kombucha nach 8–9 Tagen. Um den Sauerteig kräftig und triebstark zu erhalten, sollte er jede Woche aufgefrischt werden. Ein eigener Kalender, um nicht den Überblick zu verlieren, ist da unabdingbar. Aber so ist das eben, wenn man mit lebenden Kulturen arbeitet: Es ist ein Geben und wieder Zurückbekommen.
Zahlt sich aber aus, wenn du mich fragst. Und sonst frag ich keinen ;-)
Umfangreiche Projektführung, gemeinsames Mittagessen mit den Menschen im PAN-Projekt, Gespräche je nach Interesse, Kaffeejause
Beginn: 10.00 Uhr, Ende: 16.00 Uhr
Unkostenbeitrag: € 40,-
Das PAN-Projekt ist unser Ort der Entwicklung und Lebensfreude! Melde dich zu unserem monatlichen Newsletter an und erlebe mit, was sich hier tut und entwickelt: