Eindrücke, die bleiben: Unsere Reise in die Ukraine

Als ich mich im Juli 2024 mit Hanna entscheide, die von uns lang ersehnte Reise in die Ukraine durchzuziehen, hat das sehr persönliche Gründe. Seit fast 3 Jahren kennen wir uns und haben schon viel gemeinsam erlebt. Vor einem Jahr haben wir schließlich geheiratet – aber Hannas Heimatstadt Tschernihiw und ihre Familie besuchen konnten wir noch nie. Ihren Vater kenne ich nur von Videotelefonaten und aus Erzählungen, denn er kann das Land kriegsbedingt nicht verlassen. Nun ist es wirklich an der Zeit. Die im Moment deutlich ruhigere Lage im Norden der Ukraine lässt die Reise relativ gefahrlos zu und ich freue mich sehr darauf, endlich die Orte und Menschen kennenzulernen, mit denen Hanna zu dem wunderbaren Menschen wurde, der sie ist.

Wer in diesen Jahren „Ukraine“ hört, denkt unweigerlich an den Krieg. So geht es auch mir. Die schrecklichen Umstände, die Hannas Heimatland und viele Menschen, die ihr nahestehen, durchleben müssen, beschäftigen mich seit der Eskalation im Februar 2022 jeden Tag. Ich bringe ganz persönliche und prägende Eindrücke mit nach Hause: Solche, die mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit erfüllt haben, aber auch solche, in denen sich mir die Spuren der Gewalt gezeigt haben, die dieses gar nicht weit entfernte Land mit seinen Menschen erfährt. Es sind Momente, die mich still werden ließen, die mich tief berührt haben und die mir bleiben und mich begleiten werden.

Ankommen in Tschernihiw

Ich sitze mit meiner Frau Hanna in einer Marschrutka, einem „Taxi-Bus“ auf dem Weg von Kyjiv (früher: Kiew) nach Tschernihiw – der nördlichsten Großstadt der Ukraine (etwa so groß wie Linz). Nach fast 30 Stunden Anreisezeit aus Harmannstein inkl. einer mitternächtlichen Überquerung der ungarisch/ukrainischen Grenze mit dem Zug befinden wir uns endlich auf der „Zielgeraden“. Hanna ist diese Busstrecke 4 Jahre lang jede Woche gefahren, als sie in Kyjiv studiert hat, erklärt sie mir. Sie filmt mit dem Handy aus dem Fenster. Der Sonnenuntergang taucht das fast 2 Kilometer lange Sonnenblumenfeld neben der Straße in ein wunderschönes rot-goldenes Licht.

Trotz des dichten Verkehrs kommen wir gut voran. Nur die Panzersperren, die in großen Gruppen im Abstand von mehreren Kilometern neben der Straße liegen, erinnern daran, dass hier vor weniger als zwei Jahren russische Panzer in einem Überraschungsangriff die ukrainische Hauptstadt erreichen wollten. Einmal, kurz vor Tschernihiw, verlangsamt sich unsere Fahrt und wir bleiben am Straßenrand stehen. Das ist eine der Straßensperren, von denen Hannas Eltern berichtet haben – Kontrollpunkte, an denen überprüft wird, ob Männer vor dem Kriegsdienst zu flüchten versuchen. Ein Mann in Militäruniform steigt zu. Mehrere große im Gang stehende Koffer scheinen ihn davon zu überzeugen, dass es diesmal die Mühe nicht wert ist, die etwa 25 Reisenden zu überprüfen und wir dürfen weiterfahren.

Minuten später umkurvt die Straße den Hügel, auf dem die Катерининська (Katharinenkirche) wie ein Wächter alle Ankommenden begrüßt – und kurz darauf erreichen wir unsere Endstation. Beim Aussteigen erwarten und begrüßen uns Hannas Taufpate mit seiner Frau bereits überaus herzlich – und auch Sophia ist da, Hannas kleine Schwester. Seit unserer Hochzeit in Österreich vor einem Jahr haben wir sie nicht mehr gesehen. Umso herzlicher ist das Wiedersehen. Willkommen in der Ukraine.

Wir wuchten die Koffer in den Kofferraum des Autos. Auf der Rückbank sitzend, zwischen uns Sophia, sehen wir hinaus in die mittlerweile dunkel werdende Stadt, als wir die letzten Kilometer zum Haus von Hannas Eltern zurücklegen. Während der Fahrt erzählt Hannas Taufpate vieles auf Russisch, manches davon kann ich sogar verstehen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Art der Kommunikation mir meine insgesamt rd. 60 Stunden Russisch/Ukrainisch-Lernen mit Duolingo ermöglichen werden.

Hannas Eltern, Geschwister und ihre Tante begrüßen uns „Frischverheiratete“ vor ihrem Haus traditionell mit Brot und Salz, „Horilka“ (Ukrainischer Schnaps) und mit ganz viel Trara und guter Laune. Und nach fast drei Jahren, vor denen ich Hanna in Augsburg zum ersten Mal getroffen habe, und ein Jahr nach unserer Hochzeit kann ich endlich auch ihren Vater zum ersten Mal umarmen. Ich habe lange darauf gewartet. Es ist ein wunderschöner Moment.

Die Christi-Verklärungs-Kathedrale mit den drei ältesten Gebäuden der Stadt (errichtet 1036) hat in ihrer Geschichte bereits mehrere Kriege gesehen. Anders als viele Gebäude in Tschernihiw blieb sie vom russischen Beschuss verschont.

Hintergrund zum Krieg in der Ukraine

Als Russland im Februar 2022 seinen brutalen Großangriff auf die Ukraine startete, war auch das in Grenznähe liegende Tschernihiw rasch von russischen Truppen eingeschlossen worden. Ein Monat lang hatte die Stadt unter ständigem Beschuss gestanden, denn die rapide Entwicklung der Umstände und der russische Vorstoß Richtung Kyjiv auf mehreren Achsen hatte es dem Ukrainischen Militär unglaublich schwer gemacht, eine gut organisierte und schlagkräftige Antwort zu finden. In diesen Tagen war ein wesentlicher Beitrag zur Verteidigung der Stadt in den Händen der Zivilbevölkerung gelegen, die Waffen ausfasste, um in den Wäldern und Dörfern rund um die Stadt Widerstand zu leisten. Mit der Herstellung der Kontrolle über die Fernstraße nach Kyjiv gelang es dem ukrainischen Militär etwa ein Monat später schließlich, die Belagerung der Stadt zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt war 70% der Infrastruktur Tschernihiws beschädigt. Strom, Heizung und Trinkwasser funktionierten nicht, die medizinische Versorgung war zusammengebrochen. Einmal, als das mobile Internet funktionierte, videotelefonierten wir mit Hannas Familie, die endlose Tage und Nächte gemeinsam im dunklen Keller verbrachte. Den schrecklichen Umständen zum Trotz hatte Hannas Vater Witze über die russischen Bomben gemacht und darüber, dass wir uns vor Putin nicht fürchten müssten – er würde ihn aufhalten.

Als die Flucht aus der Stadt schließlich möglich geworden war, waren Hannas Mutter und Geschwister sofort zu uns gereist. Fünf Monate hatten sie bei uns verbracht, um sich von dem Erlebten zu erholen und – vor allem – um sich an einem ruhigen und sicheren Ort zu befinden. Dennoch war das „Abschalten“ schwierig gewesen und die Trennung der Familie – Hannas Vater durfte als Mann das Land nicht verlassen – war keine dauerhafte und sinnvolle Lösung gewesen.

Hanna und Dasha am Ort ihrer ehemaligen Schule, welche nach einem russischen Bombardement abgerissen werden musste.

Hannas Schule

Während unserem Besuch in Tschernihiw treffen wir uns mit Dasha, Hannas bester Freundin seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit. Bei einem Spaziergang durch den Stadtteil, in dem sie gemeinsam aufgewachsen sind, gibt es eine Menge zu erzählen und wir lachen viel – auch, als wir das Grundstück besuchen, auf dem früher die Schule stand, in der die beiden Freundinnen einander kennenlernt haben. Mir ist bereits aufgefallen, dass Humor ein wichtiges Mittel der Menschen hier ist, um mit der Realität des Krieges umzugehen. Dasha erzählt, sie hätten sich als Kinder manchmal gewünscht, die Schule würde in Flammen aufgehen. Dass das Gebäude als Ziel eines russischen Angriffs Jahre danach dem Erdboden gleichgemacht werden würde, weil die lokale Bevölkerung dort Essen und wichtige Gebrauchsgegenstände für die Verteidiger der Stadt gesammelt hat, war damals jenseits jeder Vorstellbarkeit gewesen.

Dasha fragt mich (wie auch viele andere Menschen während unserer Reise), wie es mir mit den Luftalarmen geht. Bis zu sieben Mal pro Tag ertönen die Sirenen und ich werde von der offiziellen Handy-App gewarnt, oft auch mitten in der Nacht. Echte Sorgen mache ich mir deswegen keine. „Wenn hier so viele Menschen mehr als zwei Jahre damit leben können, kann auch ich das für zwei Wochen“, sage ich. Ich weiß auch, dass die Stadt zum Zeitpunkt unserer Reise nur sehr selten zum direkten Ziel der russischen Raketen und Drohnen wird. So gut wie alle sind im Moment „nur“ auf der Durchreise Richtung Kyjiv oder weiter ins Landesinnere.

Anm.: Mit Stand vom 22.08.2024 hat die russische Armee 9.627 Raketen auf die Ukraine abgefeuert, von denen 2.429 abgeschossen wurden, berichtet der ukrainische Generalstab. Von den 13.997 Drohnen, so General Syrskyj, wurden 9.272 abgeschossen.

Der von deutschen und ungarischen Kriegsgefangenen zu Sowjetzeiten errichtete Bahnhof in Tschernihiw

Spuren des Kriegs

Bei unseren Spaziergängen im schmucken Zentrum der geschichtsträchtigen Stadt (die zum ersten Mal im Jahr 907 urkundlich erwähnt wurde), sind die Spuren der Angriffe an vielen Stellen sichtbar. Geld und Arbeitskräfte werden im Moment an vielen Orten dringender benötigt, als z.B. dafür, die Ruine eines ehemaligen Hotels im Zentrum abzureißen. Zwischen seinen halb eingestürzten Wänden und den Resten der Zwischendecken sprießt Grünzeug. Immer wieder laufen wir an Häusern vorbei, deren kaputte Glasfenster mit Pressspanplatten ersetzt wurden. Als wir das Gebäude der Post passieren, sehen wir sofort, dass der Eingangsbereich einen direkten Granatentreffer abbekommen hat. Die Einschlagstellen der Splitter sind über das gesamte Entree verteilt. Es ist schwer zu beschreiben, was in mir vorgeht. Ich verfolge die Spuren auf der Fassade und mir ist, als könnte ich die Gewalt selbst fast körperlich spüren. Innerlich hoffe ich, dass niemand hier an meiner Stelle stand, als das passiert ist. Bei 700 toten zivilen Stadtbewohnern in den letzten zweieinhalb Jahren ist das aber nicht auszuschließen.

Im Vergleich zum Theater, der Schule und dem Kino harmlose Schäden am Gebäude der Post

Am Abend von Onkels Geburtstag gibt es Fischsuppe, die er mit Freude selbst gekocht hat. Auch er ist mit seinen knapp 60 Jahren ein lebensfroher Mann mit blitzenden Augen und einem kräftigen gutmütigen Wesen. Der Tisch biegt sich unter Zuspeisen und den Tomaten, Gurken und Zwiebeln aus dem eigenen Garten. Dementsprechend gut ist die Stimmung und auch der Horilka trägt dazu bei, Stimmung und Lautstärke weiter zu heben, bis sich zu späterer Stunde das Gespräch natürlich trotzdem dem immer präsenten Thema „Krieg“ zuwendet.

Mir wird noch bewusster, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass alle Anwesenden am Tisch wohlauf und gesund sind und wir gemeinsam feiern dürfen. Hannas Vater zeigt uns auf seinem Handy ein Bild von einem Freund im Spital – er hat an der Front bei Kupjansk einen Arm verloren. Wir hören uns Onkels Berichte darüber an, wie er mit dem Fahrrad vom Theater wegfuhr, in welches nur eine Minute später eine Bombe einschlug. Über eine Verwandte, welche die Last zu tragen hat, Entscheidungen über die Tauglichkeit von Männern zur Einberufung an die Front treffen zu müssen. Dass drei Viertel der Männer große Angst davor haben, und sie ihnen dennoch mitteilen muss, dass sie einrücken müssen. Dass Hannas Cousin letztens in der Nacht wieder russische Drohnen gehört hat. Aber dann ist es auch wieder genug davon und alltägliche und familiäre Themen wollen gemeinsam besprochen werden.

Abgestürzte russische Kampfdrohne, mit denen seit Kriegsbeginn fast 15.000 mal auf Infrastruktur, Kraftwerke und zivile Gebäude der Ukraine geschossen wurde (National Police of Ukraine, CC BY 4.0)

Kampfdrohne über uns

Als ich um 4.45 in der Früh zum Handy greife, kann ich durch das geöffnete Fenster die Krone des Apfelbaums im Nachbargarten und einen kleinen Teil des Himmels erahnen. Ein lauter werdendes, gleichmäßiges Motorengeräusch hat mich geweckt. Ich bin kein Experte für Militärtechnik, aber mir ist augenblicklich klar, dass ich eine Kampfdrohne über der Stadt höre. Ich stehe leise auf, um Hanna nicht zu wecken, die langsam und gleichmäßig atmet. Der Motorenlärm wird leiser, bleibt aber hörbar, wird nach einer Minute wieder deutlich lauter. Mehrere Minuten lang stehe ich am Fenster, während die Drohne irgendwo über Tschernihiw (oder in den nahen Stadteilen?) große Kreise (?) zieht. Warum sie das tut, ist mir ein Rätsel – doch meine Vermutung bestätigt sich durch das plötzliche Knattern von Maschinengewehren in einiger Entfernung (nur nach dem Geräusch schwer zu schätzen, vielleicht 1–2 km?). Das ist definitiv die Luftabwehr. Dann setzt das Motorengeräusch der Drohne plötzlich aus und vor meinem inneren Auge sehe ich sie schon irgendwo ins Wohngebiet stürzen, wie in den Videoclips, die man kennt, wenn man sich laufend über den Krieg informiert. Doch Sekunden später startet der Motor wieder und das Geräusch wird langsam wieder leiser. Dreimal wiederholt sich das. In der Zwischenzeit ist Hanna wach geworden und hört ebenfalls zu. Plötzlich habe ich das Gefühl, zu verstehen, was das mit den Menschen in diesem Land machen muss, die die Geräusche von Drohnen (oder Explosionen!) in manchen Städten jede Nacht (!) zu hören bekommen. Es ist wirklich sehr gruselig: Da fliegt ein 50 kg Sprengsatz irgendwo im Nachthimmel herum und du kannst nichts anderes tun, als zu warten und zu hoffen, dass nichts passiert.

Da das Geräusch immer leiser wird, hat die Drohne offensichtlich eine andere Richtung eingeschlagen. „Unsere“ Luftabwehr stellt das Maschinengewehrfeuer ein, aber in der Ferne hört man sie noch länger schießen.

Am Morgen lese ich, dass in der Nacht alle „Shahed“-Kampfdrohnen über der Ukraine abgeschossen wurden und keine Schäden entstanden wären – und ich hoffe inständig, dass dem tatsächlich so ist.

Im idyllischen Wald am Stadtrand hat Hanna als Jugendliche viel mit Freunden gespielt, Videos gedreht und gepicknickt.

Gemeinsam unterwegs im Wald

Mit Hannas Vater und ihren Geschwistern machen wir eine Fahrradtour in den Wald im Westen Tschernihiws. Das freut mich sehr. Hanna hat hier früher viele Tage mit Freunden verbracht und ich kenne viele ihrer Geschichten, die hier ihren Ursprung haben. Am Stadtrand sieht man einige zerstörte Häuser, Panzersperren liegen zwischen den Straßen. Wir rollen einen Hügel hinunter in den Wald. „Hier waren schon die Russen“, erklärt uns Hannas Vater, der im Wald jeden Winkel und Schleichweg kennt. Der Wald ist sehr hell und luftig im Vergleich zu den Wäldern bei uns. Zwischen den Bäumen wächst Gras und man kann sehr weit sehen. Zwei Stunden lang sind wir auf unseren Rädern und zu Fuß zwischen Kiefern, Eichen und Birken auf Waldwegen unterwegs. Wir besuchen alle Lieblingsplätze, den kleinen Fluss und einen flachen, von Sträuchern gesäumten Teich mit kaltem Wasser. „Hier haben wir uns früher immer getroffen, gemeinsam Sport gemacht und trainiert und uns dann abgekühlt“, sagt Hannas Vater. Einmal hatte er mit einem Freund bei -18°C im Winter ein Loch ins Eis gehackt, um ins Wasser zu springen – das ist persönlicher Rekord.

Ein befestigter Schützengraben mitten im Wald fällt mir ins Auge, vereinzelt sieht man schwarze abgebrannte Stämme, die auf halber Höhe enden. Hinter einer Mauer und einem verschlossenen Tor sehe ich die Ruinen von einigen Gebäuden, deren Zweck mir nicht klar ist – davor ein Pfahl, behangen mit Blumenkränzen und einem mit Namen bestickten Zierband.

Eine lange Mauer schützt auch das nahe Wasserwerk der Stadt vor unbefugtem Zutritt. Dort hat Hannas Vater 25 Jahre lang gearbeitet. Die Bleche am vergitterten Tor haben Löcher, wo Granatsplitter durch das Metall gedrungen sind. „Zwei Freunde der Familie sind dort drinnen durch den russischen Beschuss gestorben“, geht es mir durch den Kopf. Ich weiß, dass es so ist. Und obwohl ich direkt hier vor Ort bin, fühlen sich diese Gedanken an wie eine Geschichte aus einem fernen Land – so wenig passt der luftig friedliche Eindruck des Waldes zu diesen Gedanken. Ich bin froh, dass diese schöne und ruhige Atmosphäre alles andere überwiegt, als wir fröhlich heimradeln – einen Waldweg entlang, an dessen Rändern viele Bäume bereits verwachsene Abschürfungen von schwerem Gerät zeigen, das ebenfalls hier entlang bewegt wurde.

In einer großen Buchhandlung ausgestelltes, illustriertes Kinderbuch über ein Huhn, das eine Granate findet – um Kinder vom Aufheben gefährlicher Überbleibsel des Krieges abzuhalten.

Was wird noch passieren?

Wahrscheinlich bin ich jetzt in dem Alter, in dem man nicht nur ahnen, sondern auch verstehen kann, dass 1945 noch gar nicht so lange her ist, wie ich während des Geschichtsunterrichts als Jugendlicher dachte. Als Kind in friedlichen Zeiten und in einem liebevollen Umfeld aufwachsen und als junger Erwachsener unter solchen Voraussetzungen leben zu können, ist nicht so "normal", wie es sich oft für mich angefühlt hat. Als Hanna und ich gemeinsam mit ihrer Mutter im Fotoarchiv der Familie stöbern, wird mir mehr als deutlich, wie viele Menschen den Krieg als Teil ihres Lebens akzeptieren mussten. Ein Vorfahr war in Georgien stationiert. Einer hat in der roten Armee gekämpft. Einer war Pilot, wurde im 2. Weltkrieg abgeschossen und überlebte, weil er rechtzeitig aus dem Flugzeug springen konnte. Auf manchen Bildern sieht man ihn in Uniform, mit vielen Auszeichnungen für seine Dienste im Kampf.

„Was werde ich noch erleben?“, frage ich mich. „In welcher Welt werde ich in 20, 30, 50 Jahren leben? In welcher der ukrainische Teil meiner Familie? Und in welcher „Normalität“ werden Hannas und meine Kinder aufwachsen?“

In einer friedlichen! Das hoffe ich nach meiner erlebnisreichen, herz- und augenöffnenden Reise in die Ukraine ganz besonders.

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Es ist möglich, zu helfen!

Hannas Freundin Olena ist Krankenschwester und wird in Kürze in die Frontgebiete rotiert, muss also dort für einige Zeit verpflichtend als Sanitäterin helfen. Deshalb möchte ich einen Spendenaufruf der Ärzte ohne Grenzen teilen, welche die Versorgung der Menschen in den schwer vom Krieg betroffenen Regionen unterstützen:

https://www.aerzte-ohne-grenzen.at/ukraine

Danke für deine Unterstützung!

Michael-Johannes Hahn
09/2024
Mehr Beiträge aus dem Bereich "Gemeinschaft"
Joe und Eva Maria haben geheiratet – und alle PANs feierten mit

Manche Tage bleiben einem garantiert so im Gedächtnis, dass man sich viele Jahre später noch über die Erinnerungen daran freut. Genau so ein Tag war die Hochzeit von Johannes „Joe“ und Eva Maria am 13. Juni 2026, die sich im Kreis ihrer Lieben am Standesamt Horn das Ja-Wort gegeben haben. Danach wurde gemeinsam im Kulturstadl Göpfritz angestoßen, gelacht und gefeiert – vom Sektempfang zu Mittag bis spät hinein in die Nacht.

Wer Joe kennt, weiß: Er ist keiner, der viele Worte nötig hat. Verlässlich, hilfsbereit, humorvoll und immer da, wenn man ihn braucht. Umso schöner war es zu sehen, wie glücklich ihn dieser Tag gemacht hat – und wie selbstverständlich Eva Maria an seiner Seite steht. Auch in den Ansprachen der Trauzeugen Anna und Markus wurde genau das spürbar: viel Wertschätzung, viele gemeinsame Erinnerungen und natürlich auch viel zu schmunzeln.
Nach dem Mittagessen und kurzer Erholungspause mit Kaffee und Kuchen (in Hülle und Fülle) verflog die Zeit mit lustigen und aktiven Spielen, Gesprächen und herzlichen Momenten bis zu einem besonderen Höhepunkt: dem Hochzeitstanz, für den Joe und Eva Maria extra mit unseren passionierten Tänzern Doris und Markus geübt hatten.

Für Joe und Eva Maria beginnt mit diesem denkwürdigen Tag nun ein neuer gemeinsamer Lebensabschnitt als Familie.

Vielen Dank an euch, Eva Maria und Joe, für die Einladung der ganzen großen PAN-Familie und von Herzen alles Gute für eure gemeinsame Zukunft!

Fotos: Martin Becherer

07/2026
Wir haben „Ja“ gesagt!

Ich möchte diesen Artikel mit den Worten unserer Standesbeamtin Gabriele Stimmeder beginnen, die uns beiden mit ihrem oberösterreichischen Dialekt und ihrer herzlichen und warmen Art und Weise bereits beim ersten Vorbereitungsgespräch schon an Herz gewachsen ist:

„Liebe Stefanie, lieber Mattias!

Manchmal beginnen de schönsten Liebesg’schicht‘n ganz unscheinbar. Ned mit großem Kino, sondern mit ana kloanen Nachricht, einem einfach’n Zeichen, des plötzlich alles verändert. A eier Geschichte hat ganz einfach ang’fanga. Mattias war es, der mit an 😊 genau heute vor vier Jahren den ersten Schritt g’macht hat. A Monat später habt’s ihr eich zum erst’n Mal getroff’n: a gemeinsamer Spaziergang bei de malerischen Rosenhofteiche – die vo vielen wunderschönen, mächtigen Bäumen umgeben san. Anschließend wart’s ihr a Eis essen in Langschlag. Schon beim erst’n Kennalerna zoagt se wohl, dass eier Beziehung net perfekt, sondern wunderbar einfach und echt sein wird. Es war desmal net da Mattias derjenige, dem a kloanes Missgeschick passiert is – sondern die Stefanie – sie war’s nämlich, de se z‘erst mit dem Eis an’patzt hat. Vielleicht war genau des da perfekte Anfang – weil echte Liebe net vo Perfektion lebt, sondern vo gemeinsamen Momenten, über die ma a Jahre später nu lacha kann.
Heit – vier Jahre später – seid’s ihr da an’kumma. Zwoa Menschen – tief verwurzelt, bodenständig, verlässlich, echt.“

Wir haben unsere Hochzeit am 6.6. mit der standesamtlichen Trauung im Haus am Ring in Bad Leonfelden gefeiert. Im kleinen Kreis unserer Familien und Freunde war die Stimmung unglaublich schön und herzlich. Meine Freundin Bernadette und Gabi, meine Trauzeugin, haben mit Klavier und Gesang unsere Feier sehr berührend umrahmt.

Bei der anschließenden Agape und dem äußerst leckeren Essen in der Waldschenke am Sternstein haben wir uns inmitten unserer Freunde sehr, sehr wohl gefühlt. Den Nachmittag haben wir dann alle gemeinsam bei meinen Schwiegereltern verbracht, wo Humor, Freudentränen, herzliche Worte, Musik und Gemütlichkeit die Zeit wie im Flug vergehen lassen haben.

Auch wenn wir die darauffolgenden Tage noch gebraucht haben, um alles zu verarbeiten und wirklich ankommen zu lassen, erinnere ich mich gerne daran zurück und weiß für mich, dieser Tag war ein ganz besonderer und wird uns beiden noch lange in Erinnerung bleiben.

07/2026
Leben für Kinder in der zweiten Generation

Die eigenen Kinder waren 1995 wesentliche Motivation und Auslöser für die Gründergeneration des PAN-Projekts, den kleinen Fessl-Hof in Harmannstein zu kaufen. In den mittlerweile über dreißig Jahren sind die Kinder von damals zu Erwachsenen von heute geworden. Und auch diese zweite PAN-Generation will ihr Leben gestalten, geht Partnerschaften ein und – wie könnte es anders sein – wird Eltern.

Über die Jahre hinweg kam bei unzähligen Veranstaltungen immer wieder die Frage an die erste PAN-Generation heran: „Wie wird das einmal bei euren Jungen sein mit Partnerschaft in einem gemeinschaftlichen Umfeld?“

Unsere Antwort damals: „Wir wissen es nicht!“

Und wenn sich auch heute die Antwort erst Schritt für Schritt eröffnet, so tut sie es doch verlässlich. So erlauben uns Hanna und Michael-Johannes in diesem Zusammenhang einen Blick auf ihr Elternsein und darauf, was der im Februar geborene Sohn Jaron Nathan in ihr Leben gebracht hat.

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Wie kann man sich als Außenstehender eure Lebenssituation als Jungfamilie im PAN-Projekt vorstellen?

Michael-Johannes:
Unsere Lebenssituation kann man sich als eine kleine Zelle in einem großen Organismus vorstellen. Zu unserer kleinen Zelle gehört zum Beispiel unsere Wohnung, in der wir zu dritt leben, unser kleiner Haushalt und meine selbständige Tätigkeit als Grafiker/Webdesigner. Das ist alles Teil unseres "Familien-Raums". Gleichzeitig ist diese Zelle aber verbunden mit dem größeren Organismus der PAN-Gemeinschaft und des PAN-Projekts.

Die Verbindungen sind vielfältig und manchmal sind Familie, Gemeinschaft und Projekt gar nicht so leicht voneinander zu trennen, weil vieles selbstverständlich ineinanderfließt. Mein Büro ist zum Beispiel in unserem Firmengebäude, wo ich auch viel für unsere eigenen Firmen tätig bin. Mit vielen anderen Gemeinschaftsmitgliedern teilen wir uns einen gemeinsamen Fuhrpark und gemeinsam genutzte Räume. Beim Mittagessen kommen wir mit allen anderen zusammen, während Frühstück und Abendessen meistens in unserem familiären Rahmen stattfinden.

Was ist für jeden von euch das ganz Besondere am Vater- bzw. Muttersein?

Hanna:
Für mich ist das ganz Besondere am Muttersein, dass ich nicht nur aus der ersten Reihe beobachte, wie sich ein Mensch entwickelt, sondern dass ich sozusagen selbst mit auf der Bühne stehe. Das fasziniert mich jeden Tag. Ich finde, es ist wirklich ein Wunder, wie Kinder in diese Welt kommen. Man begleitet dieses kleine Kind von Anfang an und erlebt jeden Tag, wie dieser Mensch wächst, sich entwickelt und etwas Neues lernt. Es ist etwas ganz anderes, Kinder nur zu beobachten, als selbst ein Kind zu haben und bei jeder Entwicklungsphase dabei zu sein.

Besonders ist für mich auch, wie ich mich selbst dabei erlebe. Als Mama entdeckt man so viele neue Gefühlswelten und man entwickelt sich auch selbst weiter. Man wächst innerlich mit dem Kind mit. Früher habe ich oft gelesen, dass frischgebackene Mütter unendlich viel Liebe zu ihrem Kind empfinden können. Jetzt verstehe ich, wovon diese Frauen gesprochen haben. Man kann schon sagen, dass ich in mein Kind verliebt bin. Ich spüre jeden Tag so viel Liebe, wenn ich meinen Sohn anschaue. Es ist, als ob das Herz einfach größer geworden ist.

Damit es nicht zu süß klingt, muss ich aber sagen: Natürlich gibt es auch Phasen, in denen ich müde, verzweifelt oder genervt bin. Das gehört dazu. Aber auch in diesen Momenten versuche ich, zu wachsen und meine Persönlichkeit reifen zu lassen. Mein Wunsch, für meinen Sohn eine gute Mama zu sein, ist dabei eine große Motivation.

Michael-Johannes:
Das Besondere am Vatersein ist für mich gar nicht so leicht zu beschreiben. Es ist, als hätte sich gleichzeitig sehr viel und sehr wenig verändert. Sehr viel hat sich ganz praktisch verändert: wie ich meine Zeit einteile, worauf ich achte und was im Alltag wichtig ist. Ich versuche, mir möglichst viel Zeit für Jaron und Hanna zu nehmen, und bin sehr dankbar, dass mir das möglich ist – einerseits durch meinen Beruf, andererseits durch das Leben in der Gemeinschaft. Vieles, was eine junge Familie im Alltag sonst zusätzlich fordert, wird bei uns mitgetragen: Unsere Wäsche wird großteils in der Wäscherei mitgewaschen, und wir können die guten Speisen aus der Gemeinschaftsküche genießen, statt jeden Tag selbst kochen zu müssen. Überraschenderweise ist aber auch vieles gleich geblieben – zumindest an der Oberfläche. Ich bin jetzt sehr gern Papa und ich mache viele Papa-Dinge. Aber ich hatte, vielleicht durch Erzählungen anderer, erwartet, dass sich das Leben mit Kind einfach komplett anders anfühlen würde. Stattdessen fühlt es sich oft einfach an wie mein Leben vorher – nur eben mit Kind.

Ich spüre deutlich, dass mich das Vatersein von innen heraus prägt und mir ein neues Selbstverständnis gibt. Ich empfinde eine tiefe Motivation, diesem kleinen Menschen zu helfen, mit Freude und Offenheit sein Leben und die Welt entdecken zu können und das verändert, wie ich an viele Situationen in meinem Alltag herangehe.

Was möchtet ihr allem voran eurem Kind mit auf seinen Weg geben?

Hanna:
Ich möchte Jaron mit auf den Weg geben, dass er sehr gerne Mensch ist und sein Leben als Wunder und als Geschenk empfindet. Ich wünsche mir, dass er mit einem offenen Herzen lebt und großes Vertrauen hat – zu den Menschen, zu sich selbst und auch zu Gott. Dass er tief in sich weiß: Ich bin geschützt, ich bin geliebt, ich bin geführt.

Ich möchte, dass er lernt, sich selbst gut zu spüren und aus seiner inneren Weisheit und Liebe heraus zu handeln und Entscheidungen zu treffen.

Ich wünsche mir, dass ihm die kindliche Faszination am Leben nie verloren geht. Und dass er immer Stabilität in sich finden kann. Dass er weiß: Wir sind nicht nur Menschen, sondern tragen in uns viel mehr und sind Teil von etwas viel Größerem.

Ich hoffe, dass ihm dieses Wissen viel Stabilität und Ruhe in sein Leben bringt.

Michael-Johannes:
Zur Taufe habe ich Jaron eine Karte geschrieben, in der eigentlich genau das steht, was ich ihm allem voran mitgeben möchte:

„Lebe frei! Spüre selber, wer du bist. Spür, wer aus deinem Herzen spricht.
Vertrau dir, dass du alles schaffst, was du dir vorgenommen hast.

Dein Leben ist ein großer Raum, den du gestalten darfst.
Mach die Tür weit auf! Lade deine Freunde ein!
Gestaltet mit Freude und Selbstvertrauen die Zeit, die euch entspricht!“

Du, Michael-Johannes, bist ja als Kind und Jugendlicher im PAN-Projekt aufgewachsen und hast auch die PAN-Freilandschule besucht. Was von dem damals Selbst-Erlebten wünschst du dir aus heutiger Sicht auch für deinen Sohn?

Michael-Johannes:
Ich wünsche mir für Jaron, dass er – im Rahmen seiner Möglichkeiten – mit seinen Freunden gestalten kann: um gemeinsam mit ihnen zu lernen, kreative Ideen zu verwirklichen, zu erleben, was daraus entsteht, und auch zu erfahren, wie man mit den Folgen des eigenen Tuns richtig umgeht.

Zu meinen vielen Ideen zählten früher zum Beispiel Fallgruben zu graben, Schanzen fürs Fahrrad zu bauen oder Zeichenroboter aus Lego zu konstruieren, um fälschungssichere Kritzeleien zu produzieren. Aber genauso gehörte dazu, zu dichten, Spiele und Geschichten zu erfinden und zu hinterfragen, warum das Leben funktioniert, wie es funktioniert.

Der Umgang mit Freunden und Vertrauensmenschen in jedem Alter hat mich gelehrt, mein Inneres auszudrücken und anderen zu vertrauen, ihnen zu verzeihen und selbst um Verzeihung zu bitten, zu führen und zu folgen. Die Zeit in der PAN-Freilandschule war für mein "Lernen-lernen" besonders prägend.

Ich hatte eine wunderbare Kindheit. Und Jaron und seine Freunde sollen die ihre bekommen. Eine Kindheit, die ihnen hilft, sich irgendwann als Erwachsene richtig gut zu kennen und sich selbst zu mögen.

Du, liebe Hanna, stammst aus der Ukraine und bist für deine Studienjahre nach Deutschland gezogen, wo du Michael-Johannes kennen und lieben gelernt hast. Mittlerweile lebst du seit fünf Jahren hier in Harmannstein in einem Haus mit vielen Menschen. Wie geht es dir dabei – vor allem jetzt als junge Mutter?

Hanna:
Früher wusste ich gar nicht wirklich, dass es so etwas gibt – ein Leben in Gemeinschaft. Vielleicht hatte ich schon einmal davon gehört, aber ich habe es nicht richtig wahrgenommen, dass Menschen wirklich so leben können. Ehrlich gesagt hat mich das damals auch nicht interessiert, weil ich eher eine Einzelgängerin war.

Erst als ich Michael-Johannes kennengelernt habe und gesehen habe, wie überzeugt und fasziniert er von dieser Lebensart ist, hat er auch in mir das Interesse geweckt, das selbst kennenzulernen. Mein Motto im Leben ist eigentlich immer, offen zu sein und nicht gleich etwas auszuschließen oder zu sagen: „Das ist schlecht.“ Wenn mich etwas interessiert, möchte ich selbst Erfahrungen machen, um mir meine eigene Meinung dazu zu bilden.

In diesen fünf Jahren habe ich verschiedene Momente erlebt. Wenn ich es ganz kurz zusammenfassen müsste, würde ich sagen: Ich bin sehr dankbar und froh, dass mir das Leben auch diese Erfahrung gezeigt hat. Dass so ein gemeinsames Leben überhaupt möglich ist.

Durch das Leben in Gemeinschaft habe ich für mich und meine Persönlichkeit sehr viel gewonnen. Bei manchen Themen bin ich mir nicht sicher, ob ich als alleinstehender Mensch den Mut gehabt hätte, mich selbst so zu pushen und mich weiterzuentwickeln. Auf jeden Fall habe ich sehr viel gelernt.

Ich habe auch verstanden, dass Gemeinschaft nichts Starres ist. Gemeinschaft besteht aus Menschen. Sie ist kein festes System mit starren Regeln, sondern, wenn sich die Menschen verändern, verändert sich auch das Gemeinsame. Das Gemeinsame ist für mich eine Summe von einzelnen Menschen. Und genau das habe ich in den letzten fünf Jahren sehr stark erlebt.

Ganz am Anfang habe ich mir das gemeinschaftliche Leben für mich so erklärt: Ich habe einfach eine große Familie. Es sind Menschen da, die für mich Familie und Freunde sind. Seitdem ist es für mich viel verständlicher und leichter geworden, mich zwischen den Menschen hier zu bewegen. Ich mag jeden einzelnen bei uns und es ist mir wichtig, zu jedem eine harmonische Beziehung und Verständnis füreinander zu haben. Jeder hier hat seinen eigenen Charakter, aber ich kann in jedem etwas finden, wozu ich eine Verbindung spüre. Natürlich ist das sehr individuell und bei manchen mehr, bei manchen weniger deutlich. Aber insgesamt fühle ich mich von den Menschen in der Gemeinschaft unterstützt, freundlich und herzlich aufgenommen.

Vor allem jetzt als Mutter finde ich es sehr schön, dass man so viel Unterstützung hat. Wir haben hier viele Mütter, und allein dadurch gibt es viel Erfahrung und Austausch. Auch ganz praktisch ist es eine große Hilfe. Wenn zum Beispiel Sonnja und Doris in der Küche für uns kochen, profitieren wir sehr davon. Oder wenn Martha unsere Wäsche wäscht – das ist wirklich eine große Unterstützung für uns.

Aber es geht nicht nur um praktische Hilfe, sondern auch um Erfahrungen, die man durch andere Menschen mitbekommt. Zum Beispiel hätte ich früher nie gedacht, dass ich eine Hausgeburt haben möchte oder dass das überhaupt möglich ist. Aber dadurch, dass andere Frauen hier Hausgeburten hatten, habe ich mich auch dafür entschieden. Und ich bereue es überhaupt nicht. Für mich war das ein sehr schönes Erlebnis.

Sehr viel Unterstützung und Hilfe bekomme ich auch von Gabi, die selbst drei kleine Kinder hat. Bei ihr finde ich viel Verständnis für meine Situation als junge Mutter. Ich bin auch froh, dass wir hier Annalena, Tamara und Marlin haben. Wenn Jaron ein bisschen älter wird, kann er mit ihnen spielen, und das finde ich sehr schön. Mit den kleinen Mädchen habe ich mich auch ein bisschen auf das Muttersein vorbereitet, indem ich früher mit ihnen einmal pro Woche den ganzen Nachmittag verbracht habe.

Außerdem gibt es hier viele Kindersachen, die wir mitnutzen dürfen. Auch das ist eine großartige Hilfe für eine junge Familie.

Gibt es für eure Partnerschaft in eurem gemeinschaftlichen Umfeld besondere Herausforderungen?

Michael-Johannes:
Eine besondere Herausforderung liegt für uns sicher darin, dass ich einfach ein Gemeinschaftsmensch bin. Wenn Hanna auf mich wartet, aber jemand etwas Dringendes braucht oder es etwas Wichtiges zu besprechen gibt, komme ich manchmal in einen Prioritätenkonflikt. In einem Haus mit vielen Menschen passiert das gar nicht so selten. Es gibt viele Begegnungen, viele Anliegen, viele Momente, in denen etwas gerade wichtig erscheint.

Hanna übt dabei Geduld mit mir. Und ich übe, dass nicht immer alles sofort sein muss.

Generell finde ich aber die Möglichkeiten als Familie im gemeinschaftlichen Umfeld viel größer als die Herausforderungen. Aber ich bin ja auch so aufgewachsen.

Hanna:
Das stimmt. Aber zur Verteidigung muss ich sagen, dass ich selbst auch so sein kann und gerne mit anderen rede, auch wenn ich es eigentlich eilig habe.

Manches, was mich am Anfang gestört hat, hat sich inzwischen verändert – oder ich habe meine Meinung dazu geändert. Der unflexiblere Tagesablauf, die vielen Besprechungen, das Frühstück um 7 Uhr – damit habe ich meine eigenen Prozesse gehabt.

Welche Vor- bzw. Nachteile seht ihr in eurer Lebensart, die ja nicht nur den Lebenspartner, sondern auch andere Mit-Menschen langfristig miteinbezieht?

Die Challenge – oder für manche vielleicht „der Nachteil“ – ist natürlich, dass man sich bei einem Leben in Gemeinschaft in vielen Dingen mit anderen abstimmen muss. Dazu muss man bereit sein. Und man muss den Nerv dafür haben, sich immer wieder in einem großen Feld unterschiedlicher persönlicher Interessen und Ausrichtungen zu befinden. Manche Prozesse werden dadurch mühsam und schwierig.

Belohnt wird man aber – wenn alle an einem harmonischen Miteinander interessiert sind – durch ein warmes, lebendiges Umfeld, durch das Gefühl, Teil von etwas größerem Gemeinsamen sein zu dürfen und durch eine unglaubliche gemeinsame Power, die entsteht, wenn sich die Verschiedenheiten der Beteiligten auf ein gemeinsames Ziel ausrichten.

07/2026
Alles Gute, lieber Zedi!

Lieber Ernest, lieber Zedi!

Vor ziemlich genau dreißig Jahren hast Du uns im PAN-Projekt zum ersten Mal besucht und uns Deine packenden Nachtwächter-Geschichten erzählt.
Wir danken dir ganz persönlich für Deine Unvoreingenommenheit uns gegenüber, Deinen Humor und Deine wohlwollende Menschlichkeit.

Für Deinen weiteren Weg in der jenseitigen Welt wünschen wir Dir das Allerbeste.

Deine PANs

05/2026
Wie aus helfenden Händen Freundschaft wurde

Vom Anfang eines Gedankens...

Ich erinnere mich zurück. Wie war das eigentlich ganz am Anfang?
Im April 2019 saßen wir bei der Saatgutinventur zusammen und blickten auf das kommende herausfordernde Gartenjahr. Wir waren uns einig, dass wir als Gartenteam Unterstützung brauchten. Also stürzten wir uns ganz spontan in das Abenteuer, Menschen zu finden, die gerne Zeit in der Natur verbringen, einfache Arbeit schätzen und an nützlichem und sinnstiftendem Tun im Team Freude haben: Beim Jungpflanzenziehen, Pflegen, Ernten, im Stall oder beim gemeinsamen Kochen und Verarbeiten der Lebensmittel.

Die Idee war ganz praktisch. Wir brauchten Unterstützung am Hof, während andere Menschen neue Erfahrungen suchten. Ein einfaches Geben und Nehmen. Täglich ein paar Stunden Mithilfe im Tausch gegen Unterkunft, gutes und gesundes Essen und Anteilnahme am vielfältigen und gemeinsamen Leben im PAN-Projekt. "Workaway" heißt die Plattform, die Gastgeber und Gäste dieser Art zusammenbringt und die in den vergangenen Jahren Menschen aus vielen nahen und fernen Teilen der Welt zu uns geführt hat.

Auch unsere Tiere kennenzulernen ist ein echtes Erlebnis...

... zu einem Weg der Begegnungen

Doch aus diesem praktischen Austausch wurde mehr... Denn all die „helfenden Hände“ waren Menschen mit so vielen Geschichten, Perspektiven, Fragen und Ideen. Und stets ging es um weit mehr als „nur“ um die Gartenarbeit. Stattdessen entstanden viele echte und wertvolle menschliche Begegnungen und ein Austausch, der mir wirklich Freude machte. Denn all diese Menschen funktionierten nicht einfach nur in ihrer helfenden Rolle, sondern begannen sich stets mit jedem Gespräch, jeder gemeinsamen Arbeitsstunde, jedem Lachen oder jeder Diskussion mehr zu öffnen und zu zeigen. Es ging plötzlich um das Gefühl, gesehen zu werden, und gleichzeitig den anderen so kennenzulernen wie er ist – ihn wahrzunehmen mit seinen Prioritäten, Gedanken, Talenten und auch seinen „Packerln“, die er in seinem Leben zu tragen hat.

Warum mir das Workaway-Projekt soviel bedeutet?

Wenn ich abends im Bett liege und darüber nachdenke, was gerade jeden Tag in der Welt passiert – wie viel Trennung, Unsicherheit, Schnelllebigkeit, oft auch Oberflächlichkeit sich zwischen uns Menschen drängt – dann habe ich das dringende Bedürfnis, etwas daran zu ändern. Mitzugestalten an einem Ort, der ein Gegenpol zu all dem sein soll.
Darin, die Natur besser zu verstehen und gemeinsam wahrzunehmen, sehe ich eine große Chance, dass dieses Vorhaben auf eine ganz natürliche und einfache Art einen Weg bekommt – wie von selbst. Denn die Natur bietet uns die Möglichkeit, anzukommen und einmal so richtig tief durchzuatmen. Nicht nur körperlich, sondern auch innerlich. Sie umgibt uns mit tausenden Möglichkeiten, Gemeinschaftlichkeit ein bisschen besser zu erleben und zu verstehen, denn nichts in der Natur steht nur für sich allein. Alles braucht einander, um sich zu entwickeln!

Jungpflanzen vorziehen mit Sophia und Jed

... es sind die kleinen Dinge!

Natürlich ändert sich durch dieses Projekt auch für mich persönlich so einiges. Ich lerne unglaublich viel über mich selbst, über Menschen, Vertrauen und Loslassen. Und darüber, dass Wachstum eben nicht nur im Garten passiert, denn jede Begegnung hinterlässt ihre Spuren.
Manchmal sind es kleine Dinge. Eine neue Sichtweise oder ein Gedanke, der bleibt und das eigene Leben bereichert. Manchmal entstehen Freundschaften, die uns weit über den Aufenthalt hinaus begleiten und stärken.

Und manchmal bleibt einfach das Gefühl, Teil von etwas Größerem gewesen zu sein. Damit meine ich nicht nur den Garten oder das Projekt selbst, sondern das, was zwischen Menschen entsteht. Gemeinschaft. Zugehörigkeit. Verbundenheit.
Viele Menschen verlassen unser PAN-Projekt mit dem Gefühl, ein kleines Stück Zuhause gefunden zu haben und genau das berührt mich jedes Mal aufs Neue.

Viel gemeinsame Freude beim Spieleabend mit Walter

Ein Blick zurück zum Start...

War das von Anfang an meine Vision? Nein!
Und genau das macht es heute so besonders für mich, denn nichts davon war so geplant.
Was als einfache Unterstützung im Garten begann, ist zu einer großen Sammlung wirklich schöner Augenblicke herangewachsen. Fremde aus unterschiedlichsten Ländern und Lebensrealitäten kommen zusammen, teilen Erfahrungen, lernen voneinander und wachsen miteinander... werden zu Freunden.

Ich bin von Herzen dankbar, Teil davon zu sein. Nicht, weil ich glaube, damit die große Welt zu retten, sondern weil ich überzeugt davon bin, dass genau solche kleinen Räume große Chancen schaffen. Wo Menschen sich gesehen, verbunden und zuhause fühlen, ist es leichter, mit Liebe zu leben und dieses Gefühl weit hinaus in die Welt zu tragen.

Darum lasst es uns immer in Erinnerung behalten – manchmal beginnt Veränderung nicht mit großen Ideen, sondern mit einer offenen Tür, einem Stück Land und der Bereitschaft, Menschen willkommen zu heißen.

Reisemodus unserer Gäste: Manche kommen gezielt zu uns als einziges Reiseziel ihres Workaway-Trips, für manche sind wir eine Station einer längeren Workaway-Reise von Host zu Host (viele junge Menschen nutzen z.B. ihr "Gap-Year" vor dem Studium, um die Welt per Workaway zu bereisen und neue Orte kennenzulernen)

Aufenthaltsdauer: meist 3 – 6 Wochen

Aus diesen Ländern hatten wir bereits Besuch: Norwegen, Ungarn, Polen, Deutschland, Luxemburg, Niederlande, Frankreich, Schweiz, Österreich, Tschechien, Ukraine, USA, Kanada, Argentinien, Australien, Neuseeland, Taiwan... (und heuer kommen wieder weitere dazu)

Umgang mit englischsprachigen Gästen: Je nach persönlichen Fähigkeiten und Interessen genießen wir den Austausch auf Englisch, nutzen die Gelegenheit zum Üben oder freuen uns auf die nächsten deutschsprachigen Gäste :)

05/2026
Willkommen bei uns, Jaron!

von Michael-Johannes Hahn, frisch gebackener Papa im PAN-Projekt

Jaron – der, der singt und jubelt.
So schön, dass du da bist!

Ein bisschen mehr als fünf Wochen ist es jetzt her, dass mein kleiner Sohn Jaron Nathan bei uns zu Hause das Licht der Welt erblickt hat. Ein unvergessliches Erlebnis für Hanna und mich, Eltern zu werden. Und neben der großen Freude, unser Kind kennenzulernen, auch wirklich unvergesslich im Sinne des "Mich-selbst-Kennenlernens".

Wenn man solche großen Lebensmomente erlebt, über die man bisher nur Erzählungen gehört hat, fühlt sich das anders an, als man es sich bis dahin vorgestellt hat. Deshalb kann einen nichts wirklich auf solche Momente vorbereiten. Das dachte ich mir zumindest.
Dann habe ich erlebt, wie all meine innere Sicherheit und mein Selbstvertrauen, das ich mir im Laufe der Zeit mit meinen Freunden erworben habe, ihre Wirkung entfaltet haben.

Die Tage vor der Geburt habe ich mit großem Vertrauen zu Hanna und einer tiefen inneren Ruhe erlebt. Was mich dann überrascht hat war aber, wie natürlich (im Sinne von „selbstverständlich“) sich die Geburt für mich angefühlt hat. Irgendwie hatte ich erwartet, mehr „überfordert“ zu sein. Aber als es darauf ankam, musste ich nicht nachdenken, sondern spürte sehr deutlich, was ich tun konnte, um Hanna bei der Geburt zu unterstützen. Ich kann mich an keine Zeit in meinem Leben erinnern, zu der ich präsenter im Hier und Jetzt war als an diesem Nachmittag – und gleichzeitig so ruhig trotz der Intensität des Geschehens. Es ist schwer, das zu beschreiben, aber so deutlich habe ich diese innere Führung in mir noch nie wahrgenommen.

Wie alle Noch-nicht-Eltern habe ich lange Zeit viele Eltern und Großeltern davon reden gehört, welches Wunder geschieht, wenn so ein kleiner Mensch geboren wird. Jetzt erst spüre ich, was sie damit gemeint haben und es macht mir eine Riesenfreude: Hanna und Jaron – ihr seid wirklich mein Wunder-Team.

Was ich mir für mich selbst mitnehme?
Erst die Überraschungen und Herausforderungen im Leben bringen uns dazu, zu den Menschen zu werden, die wir wirklich sein können.
Welche Herausforderungen jetzt vor uns als junge Familie liegen?
Das weiß ich nicht, aber ich bin mir sicher, dass es nicht zu wenige sein werden. Viele Gelegenheiten, um weiter gemeinsam daran zu wachsen. Das wird ein Abenteuer für uns und unseren Jaron!

DANKE an unsere Freundin und Hebamme Ulli, die nach Gabis und Michaels Kindern nun auch Jaron bei uns zu Hause aufgefangen hat! Und DANKE an alle großen und kleinen PANs, die Jaron so liebevoll aufnehmen und uns so sehr unterstützen!

Fotos: Martin Becherer

04/2026
Kreative Außenraumgestaltung mit Martha

Birkenreisig, Draht, Spagat -
und fertig ist der Astsalat.

Martha versteht es, aus Naturmaterialen stets besondere Dekorationselemente zu gestalten.
Gerade kürzen die Bauern ihre Feld- und Wiesenraine ein, darunter auch Birkengehölze. Deren Reisig ist extrem biegsam und mit den flauschigen Kätzchen-Blütenständen schön anzusehen.
Das ist genau der richtige Naturwerkstoff für unsere Martha! Mit viel Geschick formt sie interessante Figuren und kleine Kunstwerke aus dem Astsalat, die sie mit Draht und/oder Schnur sowie stärkeren Ästen in ihrer Form hält.

Martha hat ein besonderes Herz für unsere heimischen Vögel, die sie während unserer langen Waldviertler Winter liebevoll und verlässlich in unserem weitläufigen Hausgarten füttert.
Kein Wunder also, dass jetzt im Frühjahr in unserem Außenraum die kreativen Ast-Vögel eingeflogen sind.

Danke, Martha, für deine Gestaltungsideen rund um unser Haus und für deine geschickten Hände!

Lasst euch davon inspirieren und versucht euch selbst am "Astsalat"!

 

Fotos: Martin Becherer 03/2026

03/2026
Schneeburg, fertig, los!

Am Sonntag, den 11. Jänner, hat Doris ihr Morgengebet unter anderem dazu genutzt, eine gemeinschaftliche Großbaustelle der besonderen Art ins Leben zu rufen. Angesichts des üppig vorhandenen kalt-weißen Baumaterials lud sie uns alle am Nachmittag in den Hof zur großen Schneeburg-Werkstatt für die Kinder ein. Gesagt, getan!

Perfekt ausgerüstet mit Tatendrang und Schaufeln schauten wir erst einmal zu, wie unser guter Merlo mit seiner "Riesenschaufel" die vorbereitenden Grobarbeiten vornahm und unter Bernhards kundiger Führung Schnee über Schnee zusammenschob, auftürmte und festklopfte. Die Baubedingungen waren deshalb nicht optimal, weil der Schnee wegen der extremen Kälte nicht "pickte", sondern pulvrig herumstaubte und sich nur schwer verdichten ließ.
Als der Riesenhaufen trotzdem geschafft war, kamen die "Facharbeiter" zum Einsatz - allen voran unsere wieder kindgewordenen Männer. Michael-Johannes konzentrierte sich auf den Stiegenbau, Bernhard und Christoph übernahmen die Rutsche, Martin und Markus den Verbindungstunnel im unteren Bereich der Schneeburg. Doris kümmerte sich um einen Aufstieg mit Seilzug. Und das alles geschah, während unsere Jüngsten dazwischen herumwuselten und viele von uns als Zuschauer Anteil nahmen.
Endlich war es soweit und nach Christophs "Probefahrt" konnten Tamara (3) und Annalena (4) ihre Rutsche mit einem schneegefüllten Sack hinuntersausen. Huii, das war ein Spaß! Genau wie die gesamte Aktion an sich!

Unsere beachtliche Schneeburg hielt auch in den kommenden Tauwetter-Tagen noch lange stand und blieb für die Kinder bespielbar - ganz genau wie wir uns das für sie gewünscht hatten.

 

Fotos: Martin Becherer

02/2026

Das PAN-Projekt kennenlernen!

Umfangreiche Projektführung, gemeinsames Mittagessen mit den Menschen im PAN-Projekt, Gespräche je nach Interesse, Kaffeejause

Beginn: 10.00 Uhr, Ende: 16.00 Uhr
Unkostenbeitrag: € 40,-

Termin:

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