Eindrücke, die bleiben: Unsere Reise in die Ukraine

Als ich mich im Juli 2024 mit Hanna entscheide, die von uns lang ersehnte Reise in die Ukraine durchzuziehen, hat das sehr persönliche Gründe. Seit fast 3 Jahren kennen wir uns und haben schon viel gemeinsam erlebt. Vor einem Jahr haben wir schließlich geheiratet – aber Hannas Heimatstadt Tschernihiw und ihre Familie besuchen konnten wir noch nie. Ihren Vater kenne ich nur von Videotelefonaten und aus Erzählungen, denn er kann das Land kriegsbedingt nicht verlassen. Nun ist es wirklich an der Zeit. Die im Moment deutlich ruhigere Lage im Norden der Ukraine lässt die Reise relativ gefahrlos zu und ich freue mich sehr darauf, endlich die Orte und Menschen kennenzulernen, mit denen Hanna zu dem wunderbaren Menschen wurde, der sie ist.

Wer in diesen Jahren „Ukraine“ hört, denkt unweigerlich an den Krieg. So geht es auch mir. Die schrecklichen Umstände, die Hannas Heimatland und viele Menschen, die ihr nahestehen, durchleben müssen, beschäftigen mich seit der Eskalation im Februar 2022 jeden Tag. Ich bringe ganz persönliche und prägende Eindrücke mit nach Hause: Solche, die mich mit tiefer Freude und Dankbarkeit erfüllt haben, aber auch solche, in denen sich mir die Spuren der Gewalt gezeigt haben, die dieses gar nicht weit entfernte Land mit seinen Menschen erfährt. Es sind Momente, die mich still werden ließen, die mich tief berührt haben und die mir bleiben und mich begleiten werden.

Ankommen in Tschernihiw

Ich sitze mit meiner Frau Hanna in einer Marschrutka, einem „Taxi-Bus“ auf dem Weg von Kyjiv (früher: Kiew) nach Tschernihiw – der nördlichsten Großstadt der Ukraine (etwa so groß wie Linz). Nach fast 30 Stunden Anreisezeit aus Harmannstein inkl. einer mitternächtlichen Überquerung der ungarisch/ukrainischen Grenze mit dem Zug befinden wir uns endlich auf der „Zielgeraden“. Hanna ist diese Busstrecke 4 Jahre lang jede Woche gefahren, als sie in Kyjiv studiert hat, erklärt sie mir. Sie filmt mit dem Handy aus dem Fenster. Der Sonnenuntergang taucht das fast 2 Kilometer lange Sonnenblumenfeld neben der Straße in ein wunderschönes rot-goldenes Licht.

Trotz des dichten Verkehrs kommen wir gut voran. Nur die Panzersperren, die in großen Gruppen im Abstand von mehreren Kilometern neben der Straße liegen, erinnern daran, dass hier vor weniger als zwei Jahren russische Panzer in einem Überraschungsangriff die ukrainische Hauptstadt erreichen wollten. Einmal, kurz vor Tschernihiw, verlangsamt sich unsere Fahrt und wir bleiben am Straßenrand stehen. Das ist eine der Straßensperren, von denen Hannas Eltern berichtet haben – Kontrollpunkte, an denen überprüft wird, ob Männer vor dem Kriegsdienst zu flüchten versuchen. Ein Mann in Militäruniform steigt zu. Mehrere große im Gang stehende Koffer scheinen ihn davon zu überzeugen, dass es diesmal die Mühe nicht wert ist, die etwa 25 Reisenden zu überprüfen und wir dürfen weiterfahren.

Minuten später umkurvt die Straße den Hügel, auf dem die Катерининська (Katharinenkirche) wie ein Wächter alle Ankommenden begrüßt – und kurz darauf erreichen wir unsere Endstation. Beim Aussteigen erwarten und begrüßen uns Hannas Taufpate mit seiner Frau bereits überaus herzlich – und auch Sophia ist da, Hannas kleine Schwester. Seit unserer Hochzeit in Österreich vor einem Jahr haben wir sie nicht mehr gesehen. Umso herzlicher ist das Wiedersehen. Willkommen in der Ukraine.

Wir wuchten die Koffer in den Kofferraum des Autos. Auf der Rückbank sitzend, zwischen uns Sophia, sehen wir hinaus in die mittlerweile dunkel werdende Stadt, als wir die letzten Kilometer zum Haus von Hannas Eltern zurücklegen. Während der Fahrt erzählt Hannas Taufpate vieles auf Russisch, manches davon kann ich sogar verstehen. Die nächsten Wochen werden zeigen, welche Art der Kommunikation mir meine insgesamt rd. 60 Stunden Russisch/Ukrainisch-Lernen mit Duolingo ermöglichen werden.

Hannas Eltern, Geschwister und ihre Tante begrüßen uns „Frischverheiratete“ vor ihrem Haus traditionell mit Brot und Salz, „Horilka“ (Ukrainischer Schnaps) und mit ganz viel Trara und guter Laune. Und nach fast drei Jahren, vor denen ich Hanna in Augsburg zum ersten Mal getroffen habe, und ein Jahr nach unserer Hochzeit kann ich endlich auch ihren Vater zum ersten Mal umarmen. Ich habe lange darauf gewartet. Es ist ein wunderschöner Moment.

Die Christi-Verklärungs-Kathedrale mit den drei ältesten Gebäuden der Stadt (errichtet 1036) hat in ihrer Geschichte bereits mehrere Kriege gesehen. Anders als viele Gebäude in Tschernihiw blieb sie vom russischen Beschuss verschont.

Hintergrund zum Krieg in der Ukraine

Als Russland im Februar 2022 seinen brutalen Großangriff auf die Ukraine startete, war auch das in Grenznähe liegende Tschernihiw rasch von russischen Truppen eingeschlossen worden. Ein Monat lang hatte die Stadt unter ständigem Beschuss gestanden, denn die rapide Entwicklung der Umstände und der russische Vorstoß Richtung Kyjiv auf mehreren Achsen hatte es dem Ukrainischen Militär unglaublich schwer gemacht, eine gut organisierte und schlagkräftige Antwort zu finden. In diesen Tagen war ein wesentlicher Beitrag zur Verteidigung der Stadt in den Händen der Zivilbevölkerung gelegen, die Waffen ausfasste, um in den Wäldern und Dörfern rund um die Stadt Widerstand zu leisten. Mit der Herstellung der Kontrolle über die Fernstraße nach Kyjiv gelang es dem ukrainischen Militär etwa ein Monat später schließlich, die Belagerung der Stadt zu beenden. Zu diesem Zeitpunkt war 70% der Infrastruktur Tschernihiws beschädigt. Strom, Heizung und Trinkwasser funktionierten nicht, die medizinische Versorgung war zusammengebrochen. Einmal, als das mobile Internet funktionierte, videotelefonierten wir mit Hannas Familie, die endlose Tage und Nächte gemeinsam im dunklen Keller verbrachte. Den schrecklichen Umständen zum Trotz hatte Hannas Vater Witze über die russischen Bomben gemacht und darüber, dass wir uns vor Putin nicht fürchten müssten – er würde ihn aufhalten.

Als die Flucht aus der Stadt schließlich möglich geworden war, waren Hannas Mutter und Geschwister sofort zu uns gereist. Fünf Monate hatten sie bei uns verbracht, um sich von dem Erlebten zu erholen und – vor allem – um sich an einem ruhigen und sicheren Ort zu befinden. Dennoch war das „Abschalten“ schwierig gewesen und die Trennung der Familie – Hannas Vater durfte als Mann das Land nicht verlassen – war keine dauerhafte und sinnvolle Lösung gewesen.

Hanna und Dasha am Ort ihrer ehemaligen Schule, welche nach einem russischen Bombardement abgerissen werden musste.

Hannas Schule

Während unserem Besuch in Tschernihiw treffen wir uns mit Dasha, Hannas bester Freundin seit ihrer gemeinsamen Jugendzeit. Bei einem Spaziergang durch den Stadtteil, in dem sie gemeinsam aufgewachsen sind, gibt es eine Menge zu erzählen und wir lachen viel – auch, als wir das Grundstück besuchen, auf dem früher die Schule stand, in der die beiden Freundinnen einander kennenlernt haben. Mir ist bereits aufgefallen, dass Humor ein wichtiges Mittel der Menschen hier ist, um mit der Realität des Krieges umzugehen. Dasha erzählt, sie hätten sich als Kinder manchmal gewünscht, die Schule würde in Flammen aufgehen. Dass das Gebäude als Ziel eines russischen Angriffs Jahre danach dem Erdboden gleichgemacht werden würde, weil die lokale Bevölkerung dort Essen und wichtige Gebrauchsgegenstände für die Verteidiger der Stadt gesammelt hat, war damals jenseits jeder Vorstellbarkeit gewesen.

Dasha fragt mich (wie auch viele andere Menschen während unserer Reise), wie es mir mit den Luftalarmen geht. Bis zu sieben Mal pro Tag ertönen die Sirenen und ich werde von der offiziellen Handy-App gewarnt, oft auch mitten in der Nacht. Echte Sorgen mache ich mir deswegen keine. „Wenn hier so viele Menschen mehr als zwei Jahre damit leben können, kann auch ich das für zwei Wochen“, sage ich. Ich weiß auch, dass die Stadt zum Zeitpunkt unserer Reise nur sehr selten zum direkten Ziel der russischen Raketen und Drohnen wird. So gut wie alle sind im Moment „nur“ auf der Durchreise Richtung Kyjiv oder weiter ins Landesinnere.

Anm.: Mit Stand vom 22.08.2024 hat die russische Armee 9.627 Raketen auf die Ukraine abgefeuert, von denen 2.429 abgeschossen wurden, berichtet der ukrainische Generalstab. Von den 13.997 Drohnen, so General Syrskyj, wurden 9.272 abgeschossen.

Der von deutschen und ungarischen Kriegsgefangenen zu Sowjetzeiten errichtete Bahnhof in Tschernihiw

Spuren des Kriegs

Bei unseren Spaziergängen im schmucken Zentrum der geschichtsträchtigen Stadt (die zum ersten Mal im Jahr 907 urkundlich erwähnt wurde), sind die Spuren der Angriffe an vielen Stellen sichtbar. Geld und Arbeitskräfte werden im Moment an vielen Orten dringender benötigt, als z.B. dafür, die Ruine eines ehemaligen Hotels im Zentrum abzureißen. Zwischen seinen halb eingestürzten Wänden und den Resten der Zwischendecken sprießt Grünzeug. Immer wieder laufen wir an Häusern vorbei, deren kaputte Glasfenster mit Pressspanplatten ersetzt wurden. Als wir das Gebäude der Post passieren, sehen wir sofort, dass der Eingangsbereich einen direkten Granatentreffer abbekommen hat. Die Einschlagstellen der Splitter sind über das gesamte Entree verteilt. Es ist schwer zu beschreiben, was in mir vorgeht. Ich verfolge die Spuren auf der Fassade und mir ist, als könnte ich die Gewalt selbst fast körperlich spüren. Innerlich hoffe ich, dass niemand hier an meiner Stelle stand, als das passiert ist. Bei 700 toten zivilen Stadtbewohnern in den letzten zweieinhalb Jahren ist das aber nicht auszuschließen.

Im Vergleich zum Theater, der Schule und dem Kino harmlose Schäden am Gebäude der Post

Am Abend von Onkels Geburtstag gibt es Fischsuppe, die er mit Freude selbst gekocht hat. Auch er ist mit seinen knapp 60 Jahren ein lebensfroher Mann mit blitzenden Augen und einem kräftigen gutmütigen Wesen. Der Tisch biegt sich unter Zuspeisen und den Tomaten, Gurken und Zwiebeln aus dem eigenen Garten. Dementsprechend gut ist die Stimmung und auch der Horilka trägt dazu bei, Stimmung und Lautstärke weiter zu heben, bis sich zu späterer Stunde das Gespräch natürlich trotzdem dem immer präsenten Thema „Krieg“ zuwendet.

Mir wird noch bewusster, dass es keine Selbstverständlichkeit ist, dass alle Anwesenden am Tisch wohlauf und gesund sind und wir gemeinsam feiern dürfen. Hannas Vater zeigt uns auf seinem Handy ein Bild von einem Freund im Spital – er hat an der Front bei Kupjansk einen Arm verloren. Wir hören uns Onkels Berichte darüber an, wie er mit dem Fahrrad vom Theater wegfuhr, in welches nur eine Minute später eine Bombe einschlug. Über eine Verwandte, welche die Last zu tragen hat, Entscheidungen über die Tauglichkeit von Männern zur Einberufung an die Front treffen zu müssen. Dass drei Viertel der Männer große Angst davor haben, und sie ihnen dennoch mitteilen muss, dass sie einrücken müssen. Dass Hannas Cousin letztens in der Nacht wieder russische Drohnen gehört hat. Aber dann ist es auch wieder genug davon und alltägliche und familiäre Themen wollen gemeinsam besprochen werden.

Abgestürzte russische Kampfdrohne, mit denen seit Kriegsbeginn fast 15.000 mal auf Infrastruktur, Kraftwerke und zivile Gebäude der Ukraine geschossen wurde (National Police of Ukraine, CC BY 4.0)

Kampfdrohne über uns

Als ich um 4.45 in der Früh zum Handy greife, kann ich durch das geöffnete Fenster die Krone des Apfelbaums im Nachbargarten und einen kleinen Teil des Himmels erahnen. Ein lauter werdendes, gleichmäßiges Motorengeräusch hat mich geweckt. Ich bin kein Experte für Militärtechnik, aber mir ist augenblicklich klar, dass ich eine Kampfdrohne über der Stadt höre. Ich stehe leise auf, um Hanna nicht zu wecken, die langsam und gleichmäßig atmet. Der Motorenlärm wird leiser, bleibt aber hörbar, wird nach einer Minute wieder deutlich lauter. Mehrere Minuten lang stehe ich am Fenster, während die Drohne irgendwo über Tschernihiw (oder in den nahen Stadteilen?) große Kreise (?) zieht. Warum sie das tut, ist mir ein Rätsel – doch meine Vermutung bestätigt sich durch das plötzliche Knattern von Maschinengewehren in einiger Entfernung (nur nach dem Geräusch schwer zu schätzen, vielleicht 1–2 km?). Das ist definitiv die Luftabwehr. Dann setzt das Motorengeräusch der Drohne plötzlich aus und vor meinem inneren Auge sehe ich sie schon irgendwo ins Wohngebiet stürzen, wie in den Videoclips, die man kennt, wenn man sich laufend über den Krieg informiert. Doch Sekunden später startet der Motor wieder und das Geräusch wird langsam wieder leiser. Dreimal wiederholt sich das. In der Zwischenzeit ist Hanna wach geworden und hört ebenfalls zu. Plötzlich habe ich das Gefühl, zu verstehen, was das mit den Menschen in diesem Land machen muss, die die Geräusche von Drohnen (oder Explosionen!) in manchen Städten jede Nacht (!) zu hören bekommen. Es ist wirklich sehr gruselig: Da fliegt ein 50 kg Sprengsatz irgendwo im Nachthimmel herum und du kannst nichts anderes tun, als zu warten und zu hoffen, dass nichts passiert.

Da das Geräusch immer leiser wird, hat die Drohne offensichtlich eine andere Richtung eingeschlagen. „Unsere“ Luftabwehr stellt das Maschinengewehrfeuer ein, aber in der Ferne hört man sie noch länger schießen.

Am Morgen lese ich, dass in der Nacht alle „Shahed“-Kampfdrohnen über der Ukraine abgeschossen wurden und keine Schäden entstanden wären – und ich hoffe inständig, dass dem tatsächlich so ist.

Im idyllischen Wald am Stadtrand hat Hanna als Jugendliche viel mit Freunden gespielt, Videos gedreht und gepicknickt.

Gemeinsam unterwegs im Wald

Mit Hannas Vater und ihren Geschwistern machen wir eine Fahrradtour in den Wald im Westen Tschernihiws. Das freut mich sehr. Hanna hat hier früher viele Tage mit Freunden verbracht und ich kenne viele ihrer Geschichten, die hier ihren Ursprung haben. Am Stadtrand sieht man einige zerstörte Häuser, Panzersperren liegen zwischen den Straßen. Wir rollen einen Hügel hinunter in den Wald. „Hier waren schon die Russen“, erklärt uns Hannas Vater, der im Wald jeden Winkel und Schleichweg kennt. Der Wald ist sehr hell und luftig im Vergleich zu den Wäldern bei uns. Zwischen den Bäumen wächst Gras und man kann sehr weit sehen. Zwei Stunden lang sind wir auf unseren Rädern und zu Fuß zwischen Kiefern, Eichen und Birken auf Waldwegen unterwegs. Wir besuchen alle Lieblingsplätze, den kleinen Fluss und einen flachen, von Sträuchern gesäumten Teich mit kaltem Wasser. „Hier haben wir uns früher immer getroffen, gemeinsam Sport gemacht und trainiert und uns dann abgekühlt“, sagt Hannas Vater. Einmal hatte er mit einem Freund bei -18°C im Winter ein Loch ins Eis gehackt, um ins Wasser zu springen – das ist persönlicher Rekord.

Ein befestigter Schützengraben mitten im Wald fällt mir ins Auge, vereinzelt sieht man schwarze abgebrannte Stämme, die auf halber Höhe enden. Hinter einer Mauer und einem verschlossenen Tor sehe ich die Ruinen von einigen Gebäuden, deren Zweck mir nicht klar ist – davor ein Pfahl, behangen mit Blumenkränzen und einem mit Namen bestickten Zierband.

Eine lange Mauer schützt auch das nahe Wasserwerk der Stadt vor unbefugtem Zutritt. Dort hat Hannas Vater 25 Jahre lang gearbeitet. Die Bleche am vergitterten Tor haben Löcher, wo Granatsplitter durch das Metall gedrungen sind. „Zwei Freunde der Familie sind dort drinnen durch den russischen Beschuss gestorben“, geht es mir durch den Kopf. Ich weiß, dass es so ist. Und obwohl ich direkt hier vor Ort bin, fühlen sich diese Gedanken an wie eine Geschichte aus einem fernen Land – so wenig passt der luftig friedliche Eindruck des Waldes zu diesen Gedanken. Ich bin froh, dass diese schöne und ruhige Atmosphäre alles andere überwiegt, als wir fröhlich heimradeln – einen Waldweg entlang, an dessen Rändern viele Bäume bereits verwachsene Abschürfungen von schwerem Gerät zeigen, das ebenfalls hier entlang bewegt wurde.

In einer großen Buchhandlung ausgestelltes, illustriertes Kinderbuch über ein Huhn, das eine Granate findet – um Kinder vom Aufheben gefährlicher Überbleibsel des Krieges abzuhalten.

Was wird noch passieren?

Wahrscheinlich bin ich jetzt in dem Alter, in dem man nicht nur ahnen, sondern auch verstehen kann, dass 1945 noch gar nicht so lange her ist, wie ich während des Geschichtsunterrichts als Jugendlicher dachte. Als Kind in friedlichen Zeiten und in einem liebevollen Umfeld aufwachsen und als junger Erwachsener unter solchen Voraussetzungen leben zu können, ist nicht so "normal", wie es sich oft für mich angefühlt hat. Als Hanna und ich gemeinsam mit ihrer Mutter im Fotoarchiv der Familie stöbern, wird mir mehr als deutlich, wie viele Menschen den Krieg als Teil ihres Lebens akzeptieren mussten. Ein Vorfahr war in Georgien stationiert. Einer hat in der roten Armee gekämpft. Einer war Pilot, wurde im 2. Weltkrieg abgeschossen und überlebte, weil er rechtzeitig aus dem Flugzeug springen konnte. Auf manchen Bildern sieht man ihn in Uniform, mit vielen Auszeichnungen für seine Dienste im Kampf.

„Was werde ich noch erleben?“, frage ich mich. „In welcher Welt werde ich in 20, 30, 50 Jahren leben? In welcher der ukrainische Teil meiner Familie? Und in welcher „Normalität“ werden Hannas und meine Kinder aufwachsen?“

In einer friedlichen! Das hoffe ich nach meiner erlebnisreichen, herz- und augenöffnenden Reise in die Ukraine ganz besonders.

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Es ist möglich, zu helfen!

Hannas Freundin Olena ist Krankenschwester und wird in Kürze in die Frontgebiete rotiert, muss also dort für einige Zeit verpflichtend als Sanitäterin helfen. Deshalb möchte ich einen Spendenaufruf der Ärzte ohne Grenzen teilen, welche die Versorgung der Menschen in den schwer vom Krieg betroffenen Regionen unterstützen:

https://www.aerzte-ohne-grenzen.at/ukraine

Danke für deine Unterstützung!

Michael-Johannes Hahn
09/2024
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Highlights aus der Advent- und Weihnachtszeit

Frisch angekommen im neuen Jahr machen wir für unsere Leser und Freunde mit Interesse an unserem Leben einen kurzen Rückblick auf unsere Winter- und Weihnachtszeit.

Fein, dass der Wetterumschwung vor Weihnachten das Waldviertel in ein Winter-Wonderland verwandelt hat. So „eingschneipt“ fühlt es sich doch ein bisschen an, als wäre man von der Außenwelt abgeschnitten. Das ermuntert dazu, die wohlige Gemütlichkeit im eigenen Zuhause zu suchen mit den lieben Menschen, die dort gemeinsam wohnen.

Das Vorbereiten auf Weihnachten ist natürlich Einstellungssache.
Bei uns helfen jedenfalls traditionelle Aktivitäten im Advent mit, uns auf das Fest am 24. einzustimmen. „Weihnachtsfan“ Johanna hat mit einem Gemeinschaftsadventkalender überrascht, der außer einer süßen Überraschung auch kleine Aufgaben verborgen hielt. Jeder von uns bekam an seinem Tag des Türchenöffnens einen solchen Auftrag mit auf den Weg.

Wenn wir bereits von Süßem sprechen: Wer Weihnachtskekse für 25 Menschen backen will, muss einige fleißige Händepaare zusammentrommeln. Da auch das Nebenbei-Naschen erlaubt ist, war das glücklicherweise nicht schwer.
Am Samstag vor Weihnachten entstanden hunderte zart-mürbe Vanillekipferl, fluffige Polo Nero und viele andere Kekssorten, damit jede und jeder am Keksteller sein Lieblingsgebäck wiederfindet.

Tags drauf war schon der 21. Dezember: ein Wendepunkt in der Natur, den wir dank unseres guten Freundes Georg sehr bewusst wahrnehmen.
Treffpunkt: Lagerfeuer! Mit Decken und Sitzpolstern ausgestattet trotzten wir dem ungastlich-nasskalten Wetter und lauschten neben den brennenden Scheiten Georgs Gedanken zum Jahreskreis der Natur. Dann gab’s deftiges Aligot (einfache Hirtenmahlzeit aus Frankreich: Kartoffelpüree mit Kürbis und Käse), Störibrot und Punsch.

Unser Weihnachtstag war gemütlich und setzte sich aus den unterschiedlichsten Beiträgen verschiedener Gemeinschaftsmenschen zusammen. Ein besonderes Highlight war das Krippenspiel, welches Barbara, Ingrid und Gabi mit unseren Kleinsten einstudiert hatten. Der eine oder andere Sprechtext wurde zwar spontan improvisiert, aber gerade das machte den Charme aus. Und beim Abschlusslied tanzte bald das gesamte Publikum die Choreographie mit.

Echte Freude und Dankbarkeit waren für uns die Begriffe, die in diesen Weihnachtstagen im Vordergrund standen. Die freien Tage boten auch Raum, um Freunde und Bekannte einzuladen und sich in gemütlicher Runde auszutauschen. Der Jahreswechsel wurde mit einem lockeren Spieleabend begangen oder bei Freunden verbracht. Jene, die bis Mitternacht ausharrten, begrüßten das neue Jahr mit einem Schluck Sekt und Nachbars Feuerwerk.

So sagen wir PANs zu 2026: „Auf ein Neues! Lasst uns für unsere Erfahrungen dankbar sein und mutig auf neue Herausforderungen zugehen! Auf dass wir über unsere bisherigen Vorstellungen hinauswachsen!"

01/2026
Ein Geschenk, das wir alle teilen

Unser Weihnachtsgruß an alle, die uns kennen, sind heuer einige LEBENSmomente aus unserem Haus und kleine Augenblicke unserer Gemeinsamkeit. Möge euch unser Video ein wenig Freude schenken und erinnern an das Geschenk, das wir teilen: unser Leben als Menschen im Hier und Jetzt.

Danke, dass wir ein Stück des Weges miteinander gehen.

Gesegnete Weihnachten!
Eure PANs

12/2025
Unsere Ernährung wird immer „lebendiger“

Die Küche ist ja irgendwie auch ein Experimentierlabor.
Mein erstes Kimchi vor dreieinhalb Jahren, welches zwei Wochen in einer unspektakulären, durchsichtigen Plastikbox reifte, war eher so „meeh“. „Das war wohl nix!“, so meine Schlussfolgerung. Darauf folgte eine Zeit der Funkstille zwischen mir und der Fermentation. Die Kohlrabiflut im Herbst letzten Jahres hat mich auf der Suche nach neuen Verarbeitungsmöglichkeiten dann jedoch wieder zum Thema zurückgeführt. Diesmal mit (Gott sei Dank!) mehr Erfolg. Das beinahe ewig haltbare Kohlrabi-Kimchi lächelt mich heute noch aus dem Eck des Kühlers an und macht sich mit seinem säuerlich-frischen Geschmack besonders gut im Linsensalat.

Abgesehen von dem spannenden Prozess des Selbermachens hat das Arbeiten mit Fermentationsprozessen bei Lebensmitteln auch andere Vorzüge. Fermentiertes Gemüse (z. B. Kimchi oder Sauerkraut) ist durch die entstehende Mikrobiologie sehr lange haltbar, ohne dass man die weithin gängigen Zusätze Essig und Zucker hinzufügen muss. Nur Salz ist als Stabilisator wichtig. Im Gegensatz zu vielen Einmachprodukten, die durch Sterilisieren haltbargemacht werden, erhält man beim Fermentationsprozess die lebendige Mikrobiologie.

Fermentierte Lebensmittel enthalten also lebende Mikroorganismen (Probiotika), deren Verzehr helfen kann, die Vielfalt in der Darmflora zu erhöhen und somit die Verdauung zu verbessern.

Besonders bei fermentiertem Gemüse oder zum Beispiel Sauerteigbrot wird das Lebensmittel durch den Fermentationsprozess außerdem für die Verdauung „vorverarbeitet“ und Nährstoffe werden besser verfügbar.

Gerade in Zeiten wie diesen, wo den ganzen Herbst lang diverse Krankheitserreger zirkulieren, fragt man sich, wie man den eigenen Körper am besten stärken kann. Ein gesundes Mikrobiom im Körper aufzubauen, kann dabei sehr hilfreich sein. 70–80 % unserer Immunzellen "wohnen" ja bekanntlich im Darm. Eine gesunde Bakterienvielfalt unterstützt somit eine schnelle Abwehrreaktion des Immunsystems. Nicht schlecht,wofür das alles nütze ist!

 

Jetzt kommt allerdings ein (nicht unbedeutender!) Warnhinweis: Wenn man den säuerlich-prickelnden Geschmack von Fermentiertem einmal liebgewonnen hat, kommt man nicht mehr so schnell davon los. Einem unerwarteten Geschenk eines Bekannten folgend besitze ich seit April dieses Jahres Wasserkefirknollen, mit denen ich, um die steigende Nachfrage abzudecken, inzwischen alle zwei Tage 3 l des erfrischenden probiotischen Getränks produziere. Vor zwei Monaten ist dann auch ein Kombuchapilz eingezogen, denn: Der eigene Kombucha ist halt wirklich richtig lecker!

Die schöne Reise mit lebendigen Kulturen hat natürlich auch ihre anspruchsvolle Seite. Alle zwei Tage will der Kefir neu angesetzt werden, der Kombucha nach 8–9 Tagen. Um den Sauerteig kräftig und triebstark zu erhalten, sollte er jede Woche aufgefrischt werden. Ein eigener Kalender, um nicht den Überblick zu verlieren, ist da unabdingbar. Aber so ist das eben, wenn man mit lebenden Kulturen arbeitet: Es ist ein Geben und wieder Zurückbekommen.

Zahlt sich aber aus, wenn du mich fragst. Und sonst frag ich keinen ;-)

11/2025
Nähen am laufenden Band

Ratter, ratter, trrrrrt, trrrrrt. Beim Vorbeigehen an Omas Nähwerkstatt tönt das vertraute Geräusch durch die Türritzen und verrät mir, dass Elisabeth wieder einmal an einem neuen Projekt arbeitet.

Nicht einmal über den Sommer, wo ja so viel Arbeit draußen im Garten wartet, steht ihre Nähmaschine still. Denn Sommer ist halt auch die Zeit für neue Sommerkleider - da kann man machen, was man will. Nähen ist Elisabeths Lieblingshobby und wer ihren Kleiderschrank kennt, weiß, dass sich die Ergebnisse daraus sehen lassen können.
Schön ist, dass sie mit ihren Fähigkeiten nicht nur sich selbst einkleidet. Bei ihren vielartigen Projekten kommt ihr die Ausbildung zur Schneiderin in ihrer Jugendzeit natürlich sehr zugute. Auch wenn einzelne Kniffe und Techniken von anspruchsvolleren Nähprojekten wieder neu erlernt werden müssen, habe ich selten erlebt, dass Oma Elisabeth vor einer neuen Herausforderung haltmacht.

Bittet man Oma um ein Kleidungsstück, darf man den Entstehungsprozess von der Auswahl des Stoffes über das Suchen des passenden Schnittes bis hin zum fertigen Endprodukt miterleben. Termine zum Abmessen, Anprobieren und manchmal zum gemeinsamen Entziffern der Nähanleitung muss man sich auf jeden Fall miteinteilen! Denn am Ende sollte es doch immer für denjenigen perfekt passen, der das genähte Stück dann trägt.

Auch abseits von Wunschprojekten kommen ihre Fähigkeiten allen zugute: Ob ausgerissene Zippverschlüsse, löchrige Knie an Kinderhosen, die Änderung von Kleidungsstücken oder die neuen Bündchen für den Lieblingspullover: Oma macht das alles gerne. Denn: „Das ist meine Fähigkeit und meine Freude, die ich gerne mit euch teile!“

11/2025
Doris erzählt von ihrer persönlichen Sommer-Kräuterreise

Zu Kräutern habe ich schon immer eine besondere Beziehung gehabt.
Vor allem die Verarbeitung zu verschiedenen Heil- und Pflegeprodukten für die Mitglieder unserer Großfamilie bereitet mir viel Freude. Unsere Teerezepturen habe ich von Petra übernommen, die Rezepturen für verschiedene Kosmetikprodukte meist selbst entwickelt. Vor einigen Jahren habe ich an einem Kurs zum Destillieren von Kräutern teilgenommen und seitdem mache ich auch Pflanzenwässer selbst.

Wenn es meine Zeit als Vollbluthausfrau erlaubt, gehe ich in den Garten und trage einen Teil zur Pflege unserer Kräuterterrasse bei. Die Terrasse ist 2011 errichtet worden und war zu Petras Zeiten mit Hilfe vieler Hände ein kleines Paradies.

Doch wie wir alle schon erfahren haben, ändern sich die Zeiten.
Petra ist nicht mehr unter uns und die vielen Hände haben sich auf wenige reduziert.
Was geblieben ist, ist meine Liebe zu Kräutern und mein Bestreben, diesen Pflanzen wieder die Wertschätzung entgegenzubringen, die sie verdient haben. Schließlich steckt in ihnen „Wesen-tliches“ für die Gesundheit unseres Körpers sowie unserer Seele.

Da die Kräuterterrasse trotz aller Bemühungen nun in die Jahre gekommen ist, habe ich mich entschlossen, den vom LFI angebotenen Kurs „Kleinflächiger Biokräuteranbau für die Selbstvermarktung“ zu besuchen, um einen Beitrag zur Erneuerung leisten zu können.

In drei Blöcken zu je zwei Tagen haben sich alle Teilnehmenden gemeinsam mit Seminarleiterin Dr. Elisabeth Steinbruch, Biologin und selbst Kräuterbäuerin aus der Steiermark, mit den Rahmenbedingungen rund um einen erfolgreichen Kräuteranbau beschäftigt.
Zwei Unterrichtsblöcke fanden in der Gartenbauschule Langenlois statt, wo wir unter anderem einen Rundgang durch die umliegende Gartenanlage und den Praxisteil "Vermehrung von Kräutern" in der Schulgärtnerei Haindorf machen konnten.
… einfach ein Traum! ... und wenn ich noch einmal die Berufswahl hätte – ich würde dort gerne eine Ausbildung machen…..!

Der dritte Block fand am Kräuterhof von Frau Steinbruch in Birkfeld in der Steiermark statt. Neben der Besichtigung der dortigen Kräuteranlage, der Beschäftigung mit den Bedürfnissen der verschiedenen Pflanzen und der Bodenqualitäten konnten wir uns anhand des Betriebes mit dem Weg der Kräuter von Anbau, Ernte, Trockung bis hin zur Vermarktung beschäftigen.

Wir hatten dabei herrliches Sommerwetter und auch die Teilnehmergruppe wuchs sehr rasch zu einer freundschaftlichen Truppe heran. Da eine Seminarteilnehmerin in Gmünd beheimatet ist, konnten wir gemeinsam fahren und viele interessante Gespräche führen.

Besonders war auch unser Exkursionstag ins Mühlviertel, wo wir drei unterschiedlich große Kräuterbetriebe besuchten.
Der Bio-Kräuterhof Aufreiter in Alberndorf in der Riedmark ist ein Familienbetrieb mit 40-jähriger Geschichte, baut Kräuter großflächig für Sonnentor an, betreibt Hofladen und Onlineshop und bietet auch Seminare an. Sehr interessant war vor allem die selbstgebaute Trocknungsanlage.

Der Biberhof in Windhaag bei Freistadt baut Kräuter für Bergland an und vermarktet Kräuter, Senfprodukte und Erdbeeren selbst in Hofladen und Onlineshop. Sehr interessant war für mich die Erntetechnik und die neu gebaute Trocknungsanlage.

Der Sonnenhof-Almkräuter bei Liebenau hat eine kleinere Kräuteranlage und hat sich vor allem auf Kräuterkosmetikprodukte spezialisiert, was mittlerweile mit sehr viel Aufwand für die Zertifizierung der Produkte verbunden ist. Weiters werden am Hof Kräuterwanderungen und Workshops angeboten.

Alle Betriebe waren sehr beeindruckend, aber auch inspirierend, verschiedene Arbeitstechniken und Kleingeräte zur Vereinfachung unserer Arbeitsweise zu überlegen.

Insgesamt habe ich richtig viele Eindrücke sammeln können, die mir Mut gemacht haben, unserer Kräuteranlage wieder neues Leben einzuhauchen.
Mit Hilfe von Maia, Meli und hoffentlich noch dem einen oder anderen kräftigen Mann möchte ich in unserem Garten die Bodensituation verbessern sowie die Fruchtfolge und Pflege vereinfachen. Auch die Überlegung, Kräuterprodukte für den Verkauf herzustellen, nimmt in mir Gestalt an.
Das Wichtigste ist mir jedoch, dass ich einen intuitiveren Zugang zu den Pflanzen bekomme, damit auch die Wertschöpfung aus ihrem „Wesen-tlichen“ kommt.

10/2025
Entlang der Feldaist zu kulinarischen Überraschungen aus Georgs Gartenküche

Einer Einladung von guten Freunden folgend machten wir uns am Sonntag, den 24. August, auf den Weg in die Stadtgemeinde Pregarten in Oberösterreich. Denn: So ein Sommer kann nicht einfach vergehen ohne das Gemeinschaftsfeeling, das ein gemeinsamer Ausflug mit sich bringt. „Um 9 Uhr ist Abfahrt vor dem Haus!“, verkündet Doris, die bei der Organisation immer den Überblick behält.

Unser Ziel: der 8km lange Aisttalrundwanderweg. Der naturbelassene Fluss, die Feldaist, gepaart mit gewaltigen Granitformationen und ursprünglichen Hängen, war das auserwählte Gebiet, in dem wir an diesem Spätsommertag wandern und Natur auftanken wollten.

Der erste Teil des Rundwanderwegs führte uns bergauf über den Kalvarienberg, von dem die Aussicht über die Ebene Richtung Linz zum Stehenbleiben und Genießen einlud. Weiter ging’s dann wieder bergab, ins Aisttal, wo wir der Feldaist flussaufwärts zurück zu unserem Ausgangspunkt folgten. „Der Weg entlang des Wassers war wirklich wunderschön und entschleunigend“, so Doris.

Während die Bewegungsbegeisterten der Wanderroute folgen, vergnügen sich unsere Kleinkinder unter Aufsicht ihrer Eltern am Wasserspielpark in Pregarten.

Gegen halb eins trafen die hungrig gewanderten großen und hungrig gespielten kleinen Leute wieder zusammen. Denn am Knollenhof war unser guter Freund Georg schon seit den frühen Morgenstunden auf den Beinen, um aus dem vielfältig bepflanzten Garten ein reichhaltiges Mittagessen zu kochen. Das Motto: „Frisch aus dem Garten gekocht“.
In gusseisenen Töpfen und Pfannen über offenem Feuer und in Glut eingepackt entstand so ein Menü, das die Geschmacksknospen erfreute. Von Spargel, der eigentlich der Stängel einer besonderen Salatpflanze war, bis hin zu gefüllten Zwiebeln in Soße und direkt im selbstgebauten Bambuszelt geräucherten Forellen war alles dabei. Schmeckte einer ganz genau hin, so konnte man die einzelnen Zutaten erraten, die bis vor kurzem noch direkt daneben im Garten gestanden sind.

Nach dem Essen soll man ja bekanntlich ruhen oder tausend Schritte tun. In unserem Fall führte uns Bernadettes Kräuterrätsel quer durch den Gemüsegarten und so kamen einem die tausend Schritte gar nicht so lange vor. Sogar die Gartenversierteren unter uns stießen bei den vielen verschiedenen Gemüse- und Kräuterpflanzen auf Unbekanntes: Oka, auch als „Knolliger Sauerklee“ bekannt, fand sich dort nämlich ebenso wie Salzkraut, Erdmandeln und viele andere witzig und unbekannt klingende Gewächse. Die kleine Steviapflanze im Kräuterbeet gab zumindest für die unerschrocken draufloskostenden Rätselrater durch ihren Geschmack Aufschluss über ihre Identität.

Nachdem unsere grauen Zellen recht viel Energie verbraucht hatten, war auch wieder Platz für die Nachspeise, Kaffee trinken, ein bisschen plaudern und den Tag gemütlich ausklingen lassen.

Bei der Heimfahrt ins Waldviertel ließ ich den erlebten Tag nochmal Revue passieren und fand viele gute Gründe zum Dankbarsein: das herrliche Spätsommerwetter und die wunderschönen Naturorte, die 5-Sterne-Bewirtung und Gastfreundlichkeit am Knollenhof bei guten Freunden, die vielfältigen Gaben der Natur, aus denen unser vollwertiges Essen zubereitet wurde und das gemeinsame Miteinander.

All das zusammen machte den Ausflug zu einem unvergesslichen Sommererlebnis!

09/2025
Eindrücke meiner Reise in ein Land im Krieg

Nach unserer letztjährigen, ersten Reise seit Kriegsbeginn in die Ukraine, war ich mit meiner wunderbaren Frau Hanna auch heuer im August zwei Wochen zu Besuch in Tschernihiw (etwa so groß wie Linz, ganz im Norden der Ukraine liegend).

Gemeinsam besuchten wir ihre Familie und den Ort, an dem Hanna aufgewachsen ist und so vieles erlebt hat – ein Umfeld, das mittlerweile nicht nur ihr, sondern auch mir sehr vertraut und bekannt erscheint. Wie auch letztes Jahr haben wir viel erlebt, neue Eindrücke gesammelt und viel gemeinsame Zeit mit Verwandten und Bekannten verbracht.

Natürlich – leider muss man das so sagen – war der Krieg ein dauerhaft präsentes Thema, das weiterhin alle Menschen dieses Landes beschäftigt und prägt. Heute möchte ich ein paar ganz persönliche Eindrücke dazu mit euch teilen.

Tschernihiw ist sehr lebendig und bunt. Die Parks in der Innenstadt blühen, überall sind Blumen und viele Menschen sind draußen unterwegs. Beim Spazierengehen tut mir gut, wieder mehr Männer auf der Straße zu sehen als bei unserem letzten Besuch. Mir scheint, es gäbe jetzt mehr Sicherheit, wer wie und wann zur Armee rekrutiert wird. Die Verunsicherung war in den letzten Jahren groß, auch aus Gesprächen wissen wir, dass viele Männer in der Öffentlichkeit nur die unbedingt notwendigen Wege zurücklegten, um ja nicht aufzufallen. Das ist jetzt nicht mehr deutlich spürbar und ich halte das persönlich für sehr wichtig.

Zuerst bemerkt man es kaum, aber wenn man danach Ausschau hält, fällt auf, dass man so gut wie keine Kleinkinder und Babys sieht, wenn man draußen unterwegs ist. 10 Millionen Menschen (ein schwaches Drittel der Bevölkerung) sah sich gezwungen, das Land seit Kriegsbeginn zu verlassen.

Kein Wunder. Tschernihiw liegt zwar mittlerweile weit von den „heißen“ Gebieten an der Front entfernt und hat seine erschütternd heftigen Wochen zu Beginn des Krieges zum Glück lange überstanden. Trotzdem dröhnen täglich die Sirenen für den Luftalarm. Durch die Lage der Stadt in russischer Grenznähe ist sie ein einfacheres Angriffsziel als Städte in der Tiefe des Landes. Immer wieder hört man am Stadtrand die Luftabwehr – oft sind es Drohnen / Raketen auf der Durchreise auf dem Weg in die Hauptstadt Kyjiw. Aber eben nicht nur: In den Lokalnachrichten liest man in Interviews mit hochrangigen Militärs, dass die Stadt für die Ausbildung vieler russischer Drohenpiloten als Trainingsort „genutzt“ wird. Es ist ein seltsames Gefühl zu wissen, dass Tag und Nacht Kampfdrohnen auf die Stadt zusteuern, die sich in ständigem Kampf mit der Luftabwehr befinden.

Karte mit Flugrouten der angreifenden russischen Drohnen, Marschflugkörper und Raketen in der Nacht vom 21. August 2025.
Karte mit Flugrouten der angreifenden russischen Drohnen, Marschflugkörper und Raketen in der Nacht vom 21. August 2025. © te.me/mon1tor_ua

Manchmal liest man in der Berichterstattung über den Krieg Artikel, die sich mit den Menschen in der Ukraine beschäftigen. Wie gehen sie mit dem Krieg um, wie beeinflusst es ihr Leben, ihren Alltag und ihr Lebensgefühl? Auch mich beschäftigt das - immerhin habe jetzt auch ich Familie dort.

Die Antwort, die ich für mich gefunden habe, ist, dass wir Menschen dazu in der Lage sind, uns mit Dingen abzufinden, die wir nicht beeinflussen können – noch viel mehr, als ich dachte.

Wer nicht ausreist oder ausreisen kann, hat keine Wahl, außer hinzunehmen, dass bei jedem Luftalarm alle großen Geschäfte schließen, der Unterricht in den Schulen stoppt, Gefahr von oben droht und Veranstaltungen mit großen Menschenmengen gar nicht stattfinden. Jeder kennt jemanden, der an der Front kämpft, gestorben ist oder lebenslange Schäden davongetragen hat. Jeder in den betroffenen Städten und Dörfern weiß, wie es ist, wenn eine Drohne in der nahen Umgebung explodiert und ein Haus zerstört. Keine Wahl zu haben, als etwas über einen langen Zeitraum hinnehmen zu müssen, verwandelt sonst aktive Sorgen in eine Art passive Daueranspannung.

Zerstörtes Hotel im Stadtzentrum von Tschernihiw
Zerstörtes Hotel im Stadtzentrum von Tschernihiw nach der russischen Belagerung im Winter 2022. © unsplash.com

Durch die Reisen in die Ukraine habe diese Seite an mir selbst kennengelernt – in sehr sehr stark abgeschwächter und verträglicherer Form, als Menschen in den frontnahen Städten tagtäglich erleben müssen: Ich höre eine Drohne, eine ferne Explosion und denke "Sch... was ist da jetzt passiert!?" (Es war ein Unternehmen am Stadtrand, das Ziel eines Angriffs wurde). Beim dritten Mal, einige Tage später, ist das Geräusch bekannter – ich warte, bis es vorbei ist. Beim fünften Mal ist unsere Abreise schon nahe. Ich drehe mich rüber und schlafe weiter.

Jetzt sind wir wieder zu Hause.
Es ist ein Luxus, von nichts Gefährlichem betroffen zu sein, gegen das man keine Handhabe hat. Alles ist ruhig und friedlich im kleinen Harmannstein in Österreich, auch wenn die vereinzelten Propellerflugzeuge hier genau wie die Kampfdrohnen in der Ukraine klingen, was zwar gruselig, aber zum Glück belanglos ist.

Ich muss weiterhin oft an meine zweite Familie in Tschernihiw denken. Und auch an die Menschen im Osten der Ukraine, die näher an der Front den Krieg in einer noch viel brutaleren Form erleben müssen.

Alles Gute von mir an ein Land und seine Menschen, die mir ans Herz gewachsen sind!

09/2025
Ich liebe, wie ich lebe: Benedikt
Ich liebe, wie ich lebe

Echt empfinden und von Herzen sagen zu können, dass man sein Leben liebt, ist etwas wirklich Besonderes.

Benedikt steht mit seinen 23 Jahren voller Power mitten im Leben und weiß, was er will: Ausgebildet als Zimmerer/Spengler hat ihn seine Liebe zur Landwirtschaft und zu den Tieren wieder eingeholt und bewegt ihn dazu, diese Liebe in seiner täglichen Arbeit praktisch umzusetzen, sich weiterzubilden und im Spiegel der Natur auch mehr über sich selbst zu lernen.

Im fünften Teil von Hannas Videoserie berichtet Benedikt von seinem Tätigkeitsschwerpunkt bei den Tieren und in der Verarbeitung, über das Bauer-Sein im Kreislauf der Landwirtschaft und warum er mit Überzeugung sagt: "Ich liebe, wie ich lebe!"

08/2025

Das PAN-Projekt kennenlernen!

Umfangreiche Projektführung, gemeinsames Mittagessen mit den Menschen im PAN-Projekt, Gespräche je nach Interesse, Kaffeejause

Beginn: 10.00 Uhr, Ende: 16.00 Uhr
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